Krisen erfordern schnelles Handeln. Das Gebot der Stunde lautet, sofort jenen Menschen zu helfen, die unter der aktuellen Situation leiden: Das betrifft die Menschen in der Ukraine, die durch Wladimir Putins brutalen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg alles verloren haben und um ihr Leben fürchten. Aber die Auswirkungen des Krieges sind auch in Österreich durch die Teuerung zu spüren. Denn eines sehen wir jetzt schmerzhafter denn je: Energiepolitik ist auch Sicherheitspolitik. Wir müssen aus den Fehlern der vergangenen Jahrzehnte lernen, die uns immer tiefer in die Abhängigkeit von russischem Gas geführt haben - und unseren Blick in die Zukunft richten. Eine Zukunft, in der wir nicht mehr durch despotische Regimes erpressbar sind.

Sigrid Maurer ist Klubobfrau der Grünen. - © apa/Helmut Fohringer
Sigrid Maurer ist Klubobfrau der Grünen. - © apa/Helmut Fohringer

Genau das haben wir Grüne bei allen Akutmaßnahmen gegen die Teuerung immer im Auge. Wir setzen die Schritte, die rasch helfen, und treiben gleichzeitig unsere Energieunabhängigkeit voran. Wir unterstützen mit der Erhöhung des Pendler-Euros zielgerichtet dort, wo die Menschen die höheren Kosten für den Weg zur Arbeit täglich spüren - und fördern nicht pauschal jede Fahrt mit dem Auto. Denn das wäre kurzsichtig und würde uns direkt in eine ökologische und ökonomische Sackgasse führen.

Wer den Blick von den aktuellen Preisen an der Zapfsäule auch in die Zukunft zu richtet, erkennt deutlich: Gerade jetzt müssen wir das Tempo beim Umstieg vom Auto auf nachhaltige Formen der Mobilität erhöhen. Deshalb sorgen wir dafür, dass öffentliche Verkehrsmittel die günstigere Alternative bleiben und die Preise für regionale Klimatickets sogar sinken können - bei einem gleichzeitigen Ausbau des Angebots.

Sofortiges Handelns mit dem Blick in die Zukunft lautet auch das Prinzip, mit dem wir dafür sorgen, dass alle Haushalte und Betriebe ihre Rechnungen für Strom und Heizung begleichen können: unmittelbar durch die Senkung der Abgaben für Elektrizität und Erdgas; auf lange Sicht durch einen weiteren Ausbau von erneuerbaren Energieträgern. Denn Wind und Sonne schicken uns keine Rechnung - Gazprom schon. Jedes Windrad, das wir aufstellen, ist ein Schritt in die Unabhängigkeit. Jede Gastherme, die wir loswerden, macht uns weniger erpressbar.

Der einzige nachhaltige Weg aus der aktuellen Teuerung ist der Mut zur Erneuerung. Dafür braucht es nicht nur das Geld, das wir jetzt in eine Ausbildungsoffensive für Zukunftsberufe stecken, die wir für die Energiewende benötigen. Es braucht auch den unbedingten Willen von uns allen, dieses Ziel mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu erreichen. Wir müssen das alte Denken à la "Photovoltaik schön und gut, aber nicht auf meinem Dach" endgültig hinter uns lassen. Auch Gemeinden und Bundesländer müssen mitziehen und Genehmigungsverfahren beschleunigen, mit mehr Sachverständigen und weniger Bürokratie. So werden wir unabhängig von teuren Energieimporten - und müssen nicht mehr jeden Tag weiter Geld an Russland überweisen. Das sind wir uns selbst schuldig. Und das sind wir auch den Menschen in der Ukraine schuldig.