Die Pandemie hat das Privatleben aller Menschen beeinflusst und beschränkt und auch zu massiven Veränderungen in der Arbeitswelt geführt. Durch die Notwendigkeit des zeit- und ortsunabhängigen Arbeitens mussten Prozesse neu angepasst, entwickelt und umgesetzt werden. Dies hat vor allem auch Führungskräfte vor große arbeitstechnische und menschliche Herausforderungen gestellt.

Erwin Gollner leitet das Department Gesundheit sowie den Bachelorstudiengang Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung an der FH Burgenland. - © Foto Iris
Erwin Gollner leitet das Department Gesundheit sowie den Bachelorstudiengang Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung an der FH Burgenland. - © Foto Iris

Der Status quo ist besorgniserregend: Im Auftrag von Oracle wurden für die Studie "Al@Work" 12.347 Mitarbeiter, Vorgesetzte, Human-Resources-Experten und Vorstandsmitglieder im Alter von 22 bis 74 Jahren aus elf Ländern befragt. 78 Prozent von ihnen fühlen sich in ihrem psychischen Wohlbefinden beeinträchtigt. Eine Trennung von Beruf und Privatleben ist für 41 Prozent nicht möglich. Ein Drittel der daheim arbeitenden Befragten leistet pro Woche mindestens zehn Überstunden, etwa ein Viertel ist aufgrund dieser Mehrarbeit psychisch erkrankt. Ein Großteil der Befragten (85 Prozent) gibt an, dass die psychischen Belastungen, die im Rahmen der Arbeit entstehen, auch einen Einfluss auf das Privatleben haben. Dieser Einfluss zeigt sich in Form von Schlafproblemen, mangelnder körperlicher Gesundheit und Schwierigkeiten in familiären und freundschaftlichen Beziehungen.

Ungewollt und meistens unverschuldet stehen viele Unternehmen jetzt also mitten im disruptiven Change - manche müssen sich vielleicht komplett neu positionieren oder womöglich sogar neu "erfinden". Doch in der Krise liegt auch eine große Chance. Wenn Unternehmensleitungen sich in Zeiten der Krise nun nämlich einige essenzielle Wertfragen stellen, dann können sie eine Entwicklung zu einer nachhaltig gesunden und leistungsfähigen Organisation einleiten:

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter und die Führungskräfte für die Erreichung der Unternehmensziele?

Wohin können wir uns als Unternehmen entwickeln, wenn alle Mitarbeiter und Führungskräfte jeden Tag ihr Bestes geben?

Wie erleben die Mitarbeiter im Unternehmen die Arbeitsabläufe und die Arbeitsumgebungen?

Wie erleben die Mitarbeiter die Führung in unserem Unternehmen?

Wissen wir Bescheid über die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter und Führungskräfte?

Kennen wir die Ressourcen unserer Mitarbeiter und Führungskräfte?

Eine erfolgreiche Veränderung der Unternehmenskultur, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit als wesentlichen Leitwert ansieht, das ist Workness. Mit Gesundheit als organisationskulturellem Selbstverständnis zeichnet sich der Weg von der reinen Arbeitsfähigkeit (Workability) hin zur kulturbedingten Workness als disruptiver Change im Betrieb ab. Keine Wellness-bezogenen Alibi-Aktivitäten wie ein gesunder Obstkorb, Fitnessstudio-Förderung oder Massage-Gutscheine ändern nachhaltig die "Corporate Health" der Mitarbeiter. Nur, wenn die gesunden Rahmenbedingungen für Mitarbeitende stimmen, können und wollen sie ihre Arbeitsfähigkeit erbringen. Unternehmen, die die Leitidee einer gesunden Organisation ernst nehmen, werden, so eine Erkenntnis des World Economic Forum, durch Mitarbeiter belohnt, die achtmal engagierter, dreimal produktiver und viermal kreativer sind.