Der mit militärischen Mitteln ausgetragene politische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wirkt über das Finanzsystem auf die Preisbildung an den Märkten: Viele Aktienkurse sind gesunken, jene von in diesen Ländern engagierten ausländischen Kreditinstituten haben sich in den vergangenen Wochen fallweise sogar mehr als halbiert. Gleichzeitig steigen die Preise für Lebensmittel, Energie, Rohstoffe und Edelmetalle, auch Immobilien bleiben gefragt. Die Kaufkraft der Erwerbseinkommen nimmt ab. Inflationsgefahren sind geldpolitisch unter Kontrolle zu bringen.

Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialanalytiker und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert. - © privat
Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialanalytiker und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert. - © privat

Einmal mehr erweist sich eine Mischung verschiedener Anlage- und Risikoklassen als ein Mittelweg bei Vermögensaufbau und -sicherung. Je nach Risikoneigung und Anlagehorizont wird der Aktienanteil höher als der Anteil an festverzinslichen Anlagen gewichtet sein.

Und es gilt, die zum Nominalwert verfügbaren Spareinlagen nicht aus dem Blick zu verlieren. Kreditinstitute sind an einer Entwicklung beteiligt, die Spareinlagen immer mehr Geldanlagemöglichkeiten zuführt, deren Wert Preisschwankungen ausgesetzt ist. Banken und Sparkassen werben, zeitgemäß das Geld in Kapitalmarktprodukte zu veranlagen. Zwar verlieren die Spareinlagen an Kaufkraft, wenn sie unverzinst auf dem Konto verbleiben oder sogar ein negativer Zins erhoben wird, doch ihr Nominale bleibt erhalten.

Als Liquiditätsreserve bleiben sie ebenso unverzichtbar wie Bauspareinlagen und sichern damit die Kreditfinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen ab. Denn im Falle einer Außenfinanzierung durch Eigenkapital werden nicht nur Mitspracherechte am Unternehmen eingeräumt, sondern sind auch Marktpreisveränderungen zu berücksichtigen. Dann können fallende Kurse zu Einstiegsgelegenheiten bis hin zur Unternehmensübernahme führen.

Gerade die Tatsache, dass die Anteile zum Beispiel an einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nur in einem aufwendigen Verfahren übertragen werden und als wenig fungibel (handelbar) gelten und die Beteiligung an einer Genossenschaft mit dem Geschäftsanteil sogar höchstpersönlich ist und kein Wertpapier darstellt, bietet in Krisenzeiten einen Schutz vor Übernahmen und Wertverlusten insbesondere durch solche Marktpreisschwankungen, auf die Unternehmen selbst keinen Einfluss haben.

Es braucht weiterhin unterschiedlich ausgestaltete Rechts- und Unternehmensformen, um Krisen finanziell abzufedern und Belastungen für die Einzelnen, aber auch die Allgemeinheit zu verringern. Anderenfalls verbindet der Geld-Markt-Preis-Mechanismus immer mehr wirtschaftliche und politische Sphäre und macht diese - und damit im Weltmaßstab ganze Volkswirtschaften - zusätzlich angreifbar.