Einer der größten Fehler bei der Digitalisierung ist, nicht zu wissen, welchen Mehrwert sie für das eigene Unternehmen hat und was sie überhaupt bedeutet. Sie wird nicht nur kurzfristig erscheinen und bald wieder vergessen sein, sondern sie ist die nächste Stufe der Industrialisierung. Für Unternehmen, die sich für die digitale Transformation entscheiden, sollte dies jedoch keine Reise in ein unbekanntes Land sein.

Christian Mikolasch hat das Digitalisierungsberatungsunternehmen Bangs gegründet, das er gemeinsam mit Michael Schweiger führt, und war davor auch international im Marketing und im Verkauf tätig. Er investierte in eine Firma in China, die später im siebenstelligen Bereich verkauft wurde. - © Werner Jaeger
Christian Mikolasch hat das Digitalisierungsberatungsunternehmen Bangs gegründet, das er gemeinsam mit Michael Schweiger führt, und war davor auch international im Marketing und im Verkauf tätig. Er investierte in eine Firma in China, die später im siebenstelligen Bereich verkauft wurde. - © Werner Jaeger

Durch die Digitalisierung werden sie eine geeignete Analyse haben, besser und schneller planen und damit in kürzerer Zeit auf Märkte und Veränderungen reagieren können. Sie werden einfach und schneller potenzielle Kunden und qualifizierte Arbeitskräfte finden. Kein Betrieb sollte sich der Zukunft verschließen, die durch die Digitalisierung geformt werden wird, sondern er sollte sich den neuen Herausforderungen stellen. Folgende elf Fehler gilt es dabei zu vermeiden:

Michael Schweiger studierte Internationale Betriebswirtschaft und ist Senior Consultant für Digitales Marketing. Er leitet gemeinsam mit Christian Mikolasch Bangs. - © Werner Jaeger
Michael Schweiger studierte Internationale Betriebswirtschaft und ist Senior Consultant für Digitales Marketing. Er leitet gemeinsam mit Christian Mikolasch Bangs. - © Werner Jaeger

1.Nicht auf die richtigen Kompetenzen achten

Digitalisierung in einem Unternehmen ist sehr gut mit dem Bauen eines Hauses vergleichbar. Es kommen meist mehrere Anbieter zusammen, die es zu koordinieren gilt. Wenn man nicht behutsam einen Stein auf den anderen setzt, kracht das Ganze irgendwann zusammen. Beim Haus sind Architekten, Statiker und Baumeister am Werk. Diese können mit Sicherheit sagen, wie dick die Wände mindestens sein müssen. Auf der digitalen Ebene ist das schon nicht mehr ganz so einfach. In der Digitalisierung macht es der Digital Consultant, der Themen von Marketing, Sales und IT zusammenfasst. Nicht jeder einzelne Anbieter von etwas "Digitalem" versteht auch etwas von Digitalisierung. Sehr wahrscheinlich ist es sogar so, dass Unternehmen wie beim Bauen eines Hauses auf die Expertise mehrerer Fachleute angewiesen sind.

- © stock.adobe.com / Robert Kneschke
© stock.adobe.com / Robert Kneschke

2.Die Größe falsch beurteilen

Damit kommen wir direkt zum zweiten häufigen Fehler: Die Größe des Projektes wird vollkommen falsch eingeschätzt und daher nicht der richtige Partner für das Projekt gewählt. Viele Firmen nehmen entweder zu kleine oder zu große Anbieter. Im ersten Fall sind diese gar nicht in der Lage, das Projekt zu stemmen, beim anderen wird man nur hingehalten, weil es noch wichtigere Kunden gibt. Dass die Ergebnisse in beiden Fällen zu wünschen übrig lassen, liegt auf der Hand.

3.Nicht über die Wirtschaftlichkeit nachdenken

Viele übersehen, dass man sich auch bei der Digitalisierung der Prozesse die Frage nach deren Wirtschaftlichkeit stellen muss, frei nach dem Motto: "Ich muss ja nur digitalisieren, und alles wird gut." So einfach ist es aber leider nicht. Denn was vor der Digitalisierung galt, gilt selbstverständlich auch mit ihr, nämlich dass das Projekt zur Firma passen muss. Die Prozesse müssen vorher gut durchdacht sein. Jeder Unternehmer muss sich die Frage stellen, was genau er sich von der Digitalisierung in seinen Betrieb erhofft. Wie viel soll investiert und was damit erreicht werden? Wie viel Arbeitszeit, Wegzeit, Fuhrpark, Bürofläche, Produktionsflächen und so weiter können durch die Digitalisierung eingespart werden? Und wie lassen sich diese Ersparnisse in mehr Umsatz und Gewinn verwandeln?

4.Auf inkompatible Insellösungen setzen

Die IT ist ein absolut heikles Thema. Erfahrungsgemäß kann man sich hier mit Insellösungen, die miteinander überhaupt nicht kompatibel sind, viel verbauen. Im schlechtesten Fall macht man sich so von einem Anbieter abhängig, hat vielleicht noch einen Vertrag mit einer mehrjährigen Laufzeit abgeschlossen und sich dazu gezwungen, mit einem System zu arbeiten, das vorne und hinten nicht zu den betrieblichen Anforderungen passt. Besser ist es daher, auf ein modular aufgesetztes Framework zurückzugreifen, das die Grundfunktionen in allen Bereichen bereitstellt und mit entsprechenden Codes beliebig erweitert werden kann.

5.Falsche Einschätzung der Kosten

Es gibt für jede Unternehmensgröße eine Lösung. Das reicht vom leistbaren System für Ein-Personen-Unternehmen bis hin zum individuellen System für kleinere und mittlere Unternehmen. Nur weil weniger Materie da ist, muss das nicht unbedingt heißen, dass die Kosten auch geringer sind. In der digitalen Ebene gelten meist andere Maßstäbe.

6.Zu viel in die Verwaltung stecken

Oft wird Digitalisierung nicht verstanden, weil die Analyse der eigenen Prozesse fehlt. Sie betrifft den gesamten Business-Prozess und bindet Management und Mitarbeiter mit ein. Die Digitalisierung sollte ganzheitlich überlegt und auf den gesamten Betrieb angewendet werden. Dazu gehören Marketing, Vertrieb, HR, Projektmanagement, Service und viele andere Bereiche.

7.Das Arbeiten mit neuen Technologien unterschätzen

Es müssen Positionen neu definiert und eventuell auch neue Stellen geschaffen werden, wo andere wegfallen. Es geht darum, dass Manager und Personal mit ganz neuen Technologien arbeiten müssen, die sie bis dato noch nicht kennen oder gar verstehen. Im Zweifelsfall bedeutet Digitalisierung auch, dass man sich von langjährigen Mitarbeitern trennen muss, wenn diese nicht bereit sind, sich zu entwickeln. Doch diesen Trennungsschmerz gilt es zu überwinden.

8.Alles auf einmal machen

Natürlich braucht man eine Gesamtplanung, die eine Strategie im Großen abbildet, aber wie beim Hausbau kann man immer nur einen Stein auf einmal legen. Für die Digitalisierung bedeutet das: Es können Teilprojekte entstehen und umgesetzt werden. Dazu kann ein Plan entwickelt werden, wobei die Digitalisierung zur Generierung von neuem Umsatz verwendet wird, mit dem man die restlichen Teile finanzieren kann.

9.Mögliche Subventionen außer Acht lassen

Die Regierung ist sehr bedacht darauf, dass Unternehmen digitalisieren. Darum gibt es in diesem Bereich immer wieder Förderungen in Form von Zuschüssen und Darlehen. Diese Förderungen sollten unbedingt beantragt werden, bevor mit der Umsetzung des Digitalisierungsvorhabens begonnen wird.

10.Den Aufwand
unterschätzen

Es wird sehr viel Know-how über die verschiedenen Möglichkeiten, Regeln und Zulieferer benötigt. Meistens versucht man es selbst ohne Spezialisten, scheitert dann aber am Umfang und wirft irgendwann frustriert das Handtuch.

11.Die Arbeitnehmer nicht entsprechend vorbereiten

Die allgemeine Angst vor der Digitalisierung greift um sich. Arbeitnehmer fürchten um ihren Job. Sie wissen nicht, ob sie mit den neuen Technologien zurechtkommen, werden nicht richtig auf die neuen Prozesse eingestellt, allerorten herrscht Unsicherheit. Deshalb sollte noch vor dem Digitalisierungsprojekt ein Berater eine Potenzialanalyse durchführen, der alle Technologien vorstellen und erklären sowie dem Unternehmen dessen Potenzial und schon vorab die richtige Richtung aufzeigen kann.