Als Netflix vor einigen Tagen den ersten Abonnentenschwund seit zehn Jahren vermeldete, reagierten die Anleger schockiert. Am Tag nach der Veröffentlichung schmierte die Aktie um 35 Prozent ab. Im laufenden Quartal soll es für das erfolgsverwöhnte Unternehmen noch schlechter laufen, zwei Millionen Kunden könnten auf den Aus-Knopf drücken. In Zeiten steigender Inflation und einer (hoffentlich) endenden Pandemie kommen eben viele Ausgaben auf den Prüfstand, wobei Streaming-Abos vielleicht nicht die höchste Priorität genießen.

Monika Rosen ist Börsen-Expertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Mehr als 20 Jahre war sie Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Twitter: @Monika_Rosen
Monika Rosen ist Börsen-Expertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Mehr als 20 Jahre war sie Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Twitter: @Monika_Rosen

Das sind keine guten Nachrichten für eine Branche, die sich traditionell für mehr Sichtbarkeit von Frauen eingesetzt hat. Streaming-
Dienste stehen im Ruf, Frauen mehr Raum zu geben, und zwar sowohl vor als auch hinter der Kamera. Damit bilden sie ein positives Gegengewicht zu Hollywood, aber auch zu den traditionellen US-Fernsehsendern. Wie so oft lohnt sich freilich auch in diesem Fall ein genauerer Blick auf die Daten. Um den Vergleich zu erleichtern, ziehen wir den Prozentsatz der weiblichen Regisseure als Maßstab heran. Im Jahr 2021 waren 17 Prozent der Regisseure von Hollywood-Filmen weiblich. Bei den Produktionen der großen US-Sender lag die Frauenquote unter den Regisseuren bei 19 Prozent, die Streaming-Dienste hingegen können auf einen Frauenanteil von sage und schreibe 31 Prozent verweisen. Ganz ohne Schönheitsfehler ist allerdings auch diese Zahl nicht, denn sie stellt einen Rückgang um 2 Prozentpunkte gegenüber der Zeit vor der Pandemie dar.

Dabei ist es besonders wichtig, den Anteil von Frauen hinter der Kamera zu erhöhen, denn ihnen kommt eine große Türhüter-Funktion zu. Wenn nämlich eine Frau bei einem Film Regie führt oder das Drehbuch schreibt, dann gibt es in der Produktion auch mehr Frauen vor der Kamera, sprich: mehr weibliche Rollen. Es gibt also noch viel aufzuholen für die Traumfabrik, und es wäre nicht Hollywood, wenn man dafür nicht bereits ein eigenes Schlagwort gefunden hätte. Experten sprechen inzwischen von der "Zelluloid-Decke", in Anlehnung an die "Gläserne Decke", die Frauen in der Wirtschaft ihrer Karriere behindert.