In Österreich gibt es 13 bundesweit als arbeitsfrei festgelegte Feiertage (mit Feiertagsruhe), von denen 10 auf die katholische Tradition zurückgehen. Davon bezieht sich die Hälfte direkt auf Jesus Christus, die andere Hälfte indirekt. Ans wirtschaftlich bei weitem bedeutendste Fest Weihnachten (Menschwerdung des Sohnes Gottes) knüpft das Fest der Heiligen drei Könige an, die das Kind Jesus finden. Diese zwei Feiertage beziehen sich also auf den Beginn des irdischen Lebens Jesu; andere Feiertage markieren dessen Ende: Auf Ostern (in Österreich ist der Ostermontag arbeitsfrei) folgt nach 40 Tagen Christi Himmelfahrt, die als Abschluss seines irdischen Wirkens gilt.

Franz Graf-Stuhlhofer ist Lehrbeauftragter an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (www.graf-stuhlhofer.at). 
- © privat

Franz Graf-Stuhlhofer ist Lehrbeauftragter an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (www.graf-stuhlhofer.at).

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In der Alten und in der mittelalterlichen Kirche rechneten einige Theologen vom Zeitpunkt der Himmelfahrt an, wenn sie angaben, in welchem Jahr die vier Evangelien entstanden: Eusebius von Cäsarea, Euthymios Zigabenos in Konstantinopel (am Beginn seines Kommentars zu Matthäus) und die "Subskriptionen" (unterhalb der Evangelien stehende "Nachworte" oder "Unterschriften"). Deren Angaben stützen sich wohl auf ältere Quellen. Für die drei ersten Evangelien wurden die 40er Jahre als Zeitpunkt ihrer Entstehung genannt. Davon zu unterscheiden ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung, der deutlich später gewesen sein könnte; vielleicht gab es eine Zwischenzeit, in der die Evangelien nur in einer bestimmten Region genutzt wurden (Markus in Rom, Matthäus in Israel). Das Lukas-Evangelium ist einem gewissen Theophilus gewidmet, war also offenbar vorerst für eine einzelne Person gedacht.

50 Tage nach Ostern kommt Pfingsten (der Pfingstmontag ist ein Feiertag), das auf die Ausgießung des Heiligen Geistes verweist, von Jesus angekündigt unter anderem mit den Worten: "Ich komme zu euch" (Johannes 14,18), eben unsichtbar weltweit, während Jesus zuvor ortsgebunden und sichtbar wirkte. Vom Weiterleben Christi im Himmel sprach Stephanus, der erste christliche Märtyrer, vor seiner Steinigung: "Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen" (Apostelgeschichte 7,56) - an ihn erinnert der Stefanitag. Drei Wochen nach Christi Himmelfahrt kommt Fronleichnam (Leib des Herrn). Dieser Feiertag soll gemäß katholischer Sicht die bleibende Gegenwart des Herrn Jesus auf Erden deutlich machen, und zwar in der Eucharistie.

Christi Himmelfahrt war Vorbild für die Vorstellung von der Aufnahme Marias in den Himmel - wodurch es zu einem weiteren Feiertag (Mariä Himmelfahrt) kam. Eine Voraussetzung dafür ist, gemäß katholischer Theologie, dass Maria von ihrer Mutter Anna ohne Weitergabe der Erbsünde empfangen wurde (dazu gibt es den Feiertag Mariä Empfängnis). Auf den Himmel bezieht sich auch der Feiertag Allerheiligen, denn die Heiligen sind gemäß katholischer Vorstellung schon im Himmel, von dem es im kirchlichen Bereich oft langweilige Vorstellungen gab, erkennbar an Sätzen wie: "Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen." Eher witzig ist die Kurzgeschichte "Der Münchner im Himmel" (1911) von Ludwig Thoma: Dieser Münchner vermisst das Biertrinken im Hofbräuhaus und will nicht immer nur Harfe spielen im Himmel - das findet er langweilig.

Genau genommen wird der zukünftige "Wohnort" der Gläubigen im Neuen Testament Reich Gottes (oder Reich der Himmel) genannt, was ausdrückt, dass dort Gott herrscht, und das kann überall sein (also nicht nur im Himmel). Der Himmel ist der Ort, wo Gott wohnt - und herrscht. Dass Gott auch auf der Erde herrschen möge, wünschen und erbitten viele Christen ("Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden"). Bis dahin ringen Himmel und Hölle auf der Erde um die Herzen der Menschen, auch der Machthaber. Ob Himmel oder Hölle gewinnen, scheint beim Anblick der Erde derzeit nicht klar. Christi Himmelfahrt erinnert daran, dass es auch auf Erden himmlisch zugehen könnte.