Wer an einem Freitag im Hochsommer durch ein Bürogebäude spaziert, wird dort vor allem eines finden: gähnende Leere. Stehen üblicherweise 15 bis 20 Quadratmeter Bürofläche pro Mitarbeiter zur Verfügung, sind es im Sommer zwischen 60 und 100 Quadratmeter - also das Vier- bis Sechsfache. Zusätzlich führt die verstärkte Nutzung des Homeoffice zu einer langfristigen Senkung des Raumbedarfs pro Person, denn Angestellte arbeiten mittlerweile zwei bis drei Tage pro Woche im Remote-Modus.

Andreas Gnesda ist Geschäftsführer des Büroberatungsunternehmens teamgnesda und hat in mehr als 500 Projekten Arbeitswelten geschaffen. Er ist Universitäts- und Fachhochschullektor und war unter anderem Präsident des Österreichischen Gewerbevereins. - © austria.teamgnesda.com / Renée Del Missier
Andreas Gnesda ist Geschäftsführer des Büroberatungsunternehmens teamgnesda und hat in mehr als 500 Projekten Arbeitswelten geschaffen. Er ist Universitäts- und Fachhochschullektor und war unter anderem Präsident des Österreichischen Gewerbevereins. - © austria.teamgnesda.com / Renée Del Missier

Hatten vor Corona nur 10 Prozent aller Beschäftigten die Möglichkeit zum Homeoffice von mehr als einem Tag pro Woche, so sind es heute 90 Prozent. Die daraus resultierende ineffiziente Flächennutzung ist nicht nur teuer, sondern führt auch dazu, dass sich die Anwesenden einsam fühlen. Und es wird Energie verschwendet. Dem kann man aber mittels konkreter Maßnahmen entgegenwirken.

- © stock.adobe.com / Mediaparts
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In Österreich sind insgesamt etwa 36 Millionen Quadratmeter Bürofläche vorhanden, wobei sich ein Drittel davon, also 11,5 Millionen Quadratmeter, in Wien befindet. Das noch nie dagewesene Minimum an Anwesenheit in den Bürogebäuden führt dazu, dass aktuell bis zu 8 Millionen Quadratmeter Bürofläche ungenutzt bleiben. Und das alleine in Wien! Auf ganz Österreich hochgerechnet, sind das bis zu 25 Millionen Quadratmeter, also 70 Prozent der Bestandsflächen, die jedoch Großteils trotzdem gekühlt und beleuchtet werden.

Zudem laufen Anlagen zur Warmwasseraufbereitung sowie Be- und Entlüftung, und die Flächen werden auch regelmäßig gereinigt. Für all diese Wartungsarbeiten wird viel Energie verschwendet. Ein Umstand, der angesichts des sich zuspitzenden Engpasses im Herbst und anhaltender Hitzeperioden die Einführung konkreter Sparprogramme erfordert.

Bei Kühlung und Warmwasser ansetzen

Sinnvolle Maßnahmen wären zum Beispiel die Abschaltung der Kühlungs- und Warmwasseraufbereitungsanlagen in nicht genutzten Gebäudeteilen sowie die Senkung der Temperatur bei Boilern und Durchlauferhitzern. Auch sogenannte Flex Desks, die eine effiziente und kollaborative Arbeitsplatzgestaltung ermöglichen, können dazu beitragen, Energiekosten zu senken. Durch diese flexiblen Arbeitsplätze müsste beispielsweise nicht die gesamte Bürofläche gekühlt werden, sondern nur jener Bereich, in dem Menschen auch tatsächlich arbeiten.

Es ist zu erwarten, dass viele Arbeitgeber auf den starken strukturellen Wandel der Arbeitsumgebungen reagieren und weitere Anpassungen in naher Zukunft vornehmen werden. Konkrete Investitionsbereitschaft hinsichtlich der Nachhaltigkeit signalisieren hierbei im "Office Report 2022" 88 Prozent der Befragten. Weiters zertifiziert beispielsweise die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) nachhaltige Gebäude und Quartiere nach europäischem Qualitätsstandard. Seit Ende 2020 gibt es diese Zertifizierungen auch für Innen- beziehungsweise Büroräume, wodurch eine Standardisierung von Maßnahmen ermöglicht wird. Auch so kann ein Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen geleistet werden.

Voraussichtlich müssen wir uns auf schwierigere Zeiten vorbereiten, die ein Umdenken erfordern, und wir sollten besser heute als morgen damit anfangen. Beginnen wir damit, einfache Maßnahmen und neue Handlungen zu Gewohnheiten zu machen, die bereits jetzt große Wirkung zeigen können.