Was wollen junge Menschen heute? Was ist ihnen im Berufsleben wichtig? Und wie stehen sie zu den verschiedenen Ausbildungsformen? Diesen Fragen hat sich eine Studie im Auftrag der unabhängigen, gemeinnützigen und branchenübergreifenden Initiative "zukunft.lehre.österreich." sowie des unabhängigen Wirtschaftsnetzwerks "Leitbetriebe Austria" gewidmet. Die Ergebnisse der Umfrage unter dem Titel "Zukunft der Arbeit 2.0" zeichnen das klare Bild einer Generation, die sich (verstärkt durch die Corona-Pandemie) immer mehr verändert (hat).

Begriffe wie Work-Life-Balance, Flexibilität und Wertschätzung sind nur einige der Schlagwörter, die einen Eindruck davon geben, was die aktuelle Generation sich hinsichtlich ihres Arbeitslebens vorstellt. Sein Privatleben der Karriere zuliebe hintanzustellen war gestern, heute gilt "Family & Friends (+Hobbys) first", die Arbeit hat da den klaren Nachrang. Oder konkret gesagt, wie die Studie aufzeigt, liegt die Arbeit im Wertigkeitssystem der heutigen Jugend hinter Familie, Hobbys und Freunden nur noch auf Platz vier.

Mario Derntl ist Geschäftsführer von "zukunft.lehre.österreich.". - © privat
Mario Derntl ist Geschäftsführer von "zukunft.lehre.österreich.". - © privat

Angesichts eines sich verstärkenden Fachkräfte- bis hin zu einem Arbeitskräftemangel bedeutet diese Veränderung der Prioritäten junger Menschen für Arbeitgeber, dass auch sie ihre Strategien anpassen müssen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu rekrutieren. Man könnte oftmals meinen, dass sich Unternehmen heute vielmehr bei den jungen Menschen bewerben und sich um sie bemühen müssen als umgekehrt.

Laya Harnoncourt ist Referentin und verantwortlich für die Mitgliederkommunikation. 
- © privat

Laya Harnoncourt ist Referentin und verantwortlich für die Mitgliederkommunikation.

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Auch, wenn es darum geht, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb zu halten, stehen Unternehmen vor einer weiteren neuen Herausforderung. Denn wie die Studie offenbart, denken viele junge Menschen heute gar nicht mehr daran, jahrelang bei ein- und demselben Unternehmen zu bleiben. Ihre Bereitschaft, den Job zu wechseln, ist seit Beginn der Corona-Pandemie sogar noch deutlich angestiegen. 20 Prozent aller Arbeitskräfte planen, maximal zwei Jahre in ihrem Unternehmen zu bleiben, weitere 29 Prozent nur drei bis fünf Jahre.

Zufriedenheit der Belegschaft als wichtiger Wert für Firmen

Die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter scheint somit ein Wert zu sein, dem Unternehmen ein großes Maß an Bedeutung beimessen sollten. Denn je zufriedener die Belegschaft, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich doch dafür entscheidet, beim Unternehmen zu bleiben. Die Frage, wie das erreicht werden kann, beantwortet "Zukunft der Arbeit 2.0" mit der Frage an die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, was jungen Menschen in ihrem Job besonders wichtig ist: Ganz besonders sind das Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, Rücksichtnahme auf Work-Life-Balance durch flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation - Stichwort: Homeoffice - sowie erkennbare Wertschätzung. Auch wenn dies für so manche Unternehmen eine Umstellung bedeutet, könnte die Einstellung "So haben wir das immer gemacht" sie wertvolle Beschäftigte kosten.

Auch hinsichtlich (Aus-)Bildung hat die Studie Veränderungen aufgezeigt. So hat die Lehre unter den jungen Menschen klar an Ansehen dazugewonnen und gewinnt im Vergleich zu schulischen und akademischen Ausbildungen deutlich. Nur rund 55 Prozent halten die AHS-Matura für eine erfolgversprechende Ausbildung, bei der Lehre sind es stolze 67 Prozent. Die Kombination von Lehre mit Matura halten sogar etwas mehr Befragte (79,6 Prozent) für erfolgversprechender als einen Abschluss an der Universität (75,7 Prozent) oder Fachhochschule 76,3 Prozent).

Ausbildungsmöglichkeiten möglichst früh aufzeigen

Gesamtgesellschaftlich steht die Lehre aber noch weniger gut da. Das Ziel von "zukunft.lehre.österreich.", ihr wieder die Anerkennung zu geben, die sie verdient, ist somit noch nicht erreicht, auch wenn man zweifellos sagen kann: Es tut sich etwas. Wenn es darum geht, jungen Menschen all ihre Wege ins Berufsleben zu zeigen, muss sich jedoch noch mehr tun. Vor allem liegt es in der Verantwortung des Bildungsministeriums, endlich sicherzustellen, dass Jugendliche möglichst früh (im Rahmen von verpflichtender Berufsorientierung in der Schule) über all die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten Bescheid wissen.

Zusammengefasst sieht die "Zukunft der Arbeit" so aus: Die heutige Jugend will mehr: mehr Sinnstiftung, mehr Work-Life-Balance, mehr Flexibilität im Job, mehr Wertschätzung. Und hinsichtlich ihrer Ausbildung braucht sie mehr - vor allem mehr Informationen darüber, welche Wege überhaupt zur Verfügung stehen. Denn Ausbildungswege gibt es viele, und ganz besonders die Lehre ist ein Weg, der jungen Menschen einen ersten wichtigen Schritt in eine erfolgreiche Zukunft ermöglichen kann.