Die Babyboomer-Generation der 1960er Jahre wird in den nächsten Jahren den Arbeitsmarkt verlassen und in Pension gehen. Das betrifft große Kohorten und wird den Arbeitsmarkt nachhaltig verändern. In den kommenden Jahren ist ein Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung prognostiziert: Die Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 15 und 64 Jahren geht in den nächsten 30 Jahren um knapp 5 Prozent zurück.

Ulrike Famira-Mühlberger ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Ulrike Famira-Mühlberger ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Ohne Migration nach Österreich wäre die Zahl der Erwerbsfähigen bereits seit einigen Jahren gesunken. Die Abnahme der Bevölkerung im Erwerbsalter muss jedoch nicht zwangsläufig bedeuten, dass auch das Arbeitskräfteangebot sinkt. Damit dies nicht der Fall ist und unserer Wirtschaft und unserem Wohlstand nicht die Arbeitskräfte ausgehen, muss der demografische Wandel politisch gut gestaltet werden. Was ist - jenseits von Maßnahmen zur betrieblichen Produktivitätssteigerung - zu tun? Aus meiner Sicht sind die folgenden vier Punkte wesentlich:

1. Menschen länger am Arbeitsmarkt halten: Es sollten stärkere finanzielle und betriebliche Anreize gesetzt werden, damit Menschen, die länger arbeiten könnten, dies auch tun. Für jene, die das nicht können, sollten die gesundheitlichen Bedingungen durch stärkere Präventionskonzepte verbessert werden, damit Menschen länger beruflich aktiv bleiben können. Hier hat Österreich Aufholbedarf. Die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit auch im höheren Alter zum Beispiel durch (betriebliche) Gesundheitsförderung und durch Anpassung der Arbeitsorganisation sind hier wesentliche Handlungsfelder.

2. Pro-aktive Migrationspolitik: vor allem durch den Zuzug von osteuropäischen Arbeitskräften hat sich das durchschnittliche Ausbildungsniveau von Migrantinnen und Migranten in Österreich bereits erhöht. Es bedarf einer Migrationspolitik, die Fachkräfte verstärkt anzieht. Die Lebensqualität in Österreich ist hoch, wenn die bürokratischen Hürden für einen qualitativen Zuzug sinken, könnte dieser "Trumpf" besser ausgespielt werden.

3. Dem Mismatch des Strukturwandels entgegenwirken: Wir benötigen verstärkte (Weiter)Bildungsinvestitionen, um Geringqualifizierte höher zu qualifizieren. Die soziale Vererbung von Bildung wird am besten durch gezielte Investitionen im vorschulischen bzw. frühschulischen Bereich durchbrochen.

4. Lebensphasen unterstützen: Erwerbstätige Eltern benötigen Arbeitszeitmodelle, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile erlauben. Kindergärten und Volksschulen müssen flächendeckend punkto Quantität (inkl. Ferienschließzeiten, Tagesöffnungszeiten, Ganztagesschulen, Ferienbetreuung) und Qualität (Kinderbetreuung als Bildung begreifen) ausgebaut werden. Nur so können beide Elternteile sich ihrer Ausbildung entsprechend am Arbeitsmarkt beteiligen.

Darüber hinaus wird es wesentlich sein, Frauen echte Karrierechancen zu geben, um den Anreiz für eine verstärke Arbeitsmarktpartizipation zu erhöhen. Viele Unternehmen klagen darüber, dass jüngere Bewerberinnen und Bewerber in Teilzeit arbeiten möchten. Das ist vermutlich auch ein Effekt des gestiegenen Wohlstands (Stichwort: Erbengeneration), aber dieser Wohlstand ist in einer wettbewerbsintensiven Weltwirtschaft nicht in Stein gemeißelt.