Pink Floyds epische Zeile "We don’t need no education" aus "Another Brick in the Wall" müsste für die österreichische Wirtschaftsbildung geschrieben werden, gäbe es sie nicht schon.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und forscht am Wifo. 
- © Roman Reiter / WU

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und forscht am Wifo.

- © Roman Reiter / WU

In der aktuellen Energiemarktkrise wird viel über die kurzfristige Angebotsfunktion am Strommarkt - der Merit Order - diskutiert. Die breite Öffentlichkeit zeigt sich überrascht, dass sich auf Märkten der Preis auf Basis des teuersten Produzenten, der nachgefragt wird, bestimmt. In der Stromerzeugung unterscheiden sich die Produktionskosten im Wesentlichen nach den verwendeten Energieträgern. Scheint die Sonne, wird Strom aus Photovol-taikanlagen praktisch zu Nullkosten erzeugt.

Für die Stromerzeugung in einem Gaskraftwerk muss Gas verbrannt werden, der Strompreis aus Gaserzeugung richtet sich nach den Beschaffungskosten für diesen Energieträger. Zusätzlich hat Strom kein Mascherl, auch wenn diverse Anbieter von "100 Prozent Ökostrom" anderes suggerieren, und verfügt unabhängig von der Produktionsart immer über dieselben Eigenschaften. Setzt man in einem solchen Markt nun einen Preis unterhalb des Marktpreises, zum Beispiel auf Basis der Durchschnittskosten über alle Produktionsarten, fest, so scheiden die teuersten Produzenten aus dem kurzfristigen Markt aus und das Gesamtstromangebot sinkt.

Ohne weitere Markteingriffe wird als Folge hiervon die Nachfrage das Stromangebot übersteigen und folglich eine Mengenrationierung notwendig werden. Solange Stromproduktion aus Gas eine wesentliche Rolle zur Wahrung der Versorgungssicherheit spielt, wird die lautstarke politische Forderung nach einer Entkoppelung des Strompreises vom Gaspreis ein durchaus diffiziles Unterfangen bleiben. Es wird entweder notwendig sein, mit öffentlichen Geldern die Differenz der niedrigeren Preise zu den Produktionskosten zu finanzieren oder einen radikal alternativen Zuteilungsmechanismus zu schaffen. Ob letzterer dann auch funktioniert und praktikabel ist, kann man im Vorhinein nicht mit Gewissheit abschätzen.

Das eben beschriebene Basiswissen über die Funktionsweise von Märkten ist also eine wesentliche Voraussetzung für eine gesellschaftliche Debatte über die Möglichkeiten, den Marktmechanismus zu ändern und gleichzeitig die Versorgungssicherheit am Strommarkt zu gewährleisten. Dieses Wissen wird jedoch außer in wirtschaftswissenschaftlichen Studien in Österreich kaum vermittelt. Ein politischer Änderungswille ist ebenfalls nicht zu erkennen. Am Montag dieser Woche lief etwa die Begutachtungsfrist für den neuen Lehrplan für das Fach Geographie und wirtschaftliche Bildung in der AHS-Unterstufe und der Mittelschule aus. Keines der im Lehrplan vorgesehenen sechs fachlichen Konzepte beschäftigt sich mit grundlegenden ökonomischen Sachverhalten. Entsprechend negativ fielen die Stellungnahmen aus der wissenschaftlichen und der wirtschaftspädagogischen Fachwelt aus.

Die Durchsicht des Entwurfs lässt folgenden Schluss zu: Im Bildungsministerium fehlt es entweder ebenfalls an relevantem ökonomischen Grundlagenwissen oder man hat dort Pink Floyds "Teacher, leave them kids alone!" zu wörtlich genommen.