Es war eine der ersten Entscheidungen der neuen britischen Premierministerin Liz Truss, und sie war von grundvernünftigem britischem Pragmatismus inspiriert: Angesichts der Energiekrise hob die Regierung dieser Tage das bisher geltende Verbot, Erdgas mittels Fracking aus dem Boden zu pressen, mit sofortiger Wirkung auf.

Das könnte unter Umständen ökologisch nicht ganz unproblematisch sein, aber die drohende Verarmung von Teilen der britischen Bevölkerung mangels leistbarer Energie wog für Truss offenbar schwerer. Ein nachvollziehbarer Gedanke.

Auch Österreich könnte nach Auskunft der Geologen mithilfe dieses Fracking 30 Jahre lang seinen Bedarf an Erdgas stillen, das in den Tiefen der Schieferschichten unterhalb der Republik nur darauf wartet, nach oben geholt zu werden. Auch die damit verbundenen Umweltprobleme dürften durch eine an der Montanuniversität Leoben entwickelten Methode behebbar sein.

Doch im Gegensatz zum pragmatischen Großbritannien dürfte es bei uns zumindest in der überschaubaren Zukunft nichts werden mit dieser einheimischen Alternative zu Wladimir Putins Gas - und das ist ein vielleicht ebenso schwerer politischer Fehler wie seinerzeit die Entscheidung, sich auf Gedeih und Verderb Russland auszuliefern.

Geschuldet dürfte dieser Fehler vor allem einer sturen Öko-Ideologie sein, die von den Grünen ausgehend auch große Teile des restlichen politischen Spektrums befallen hat; anders als im Vereinigten Königreich. Fracking ist da fast so böse wie Atom oder Gen, schon die bloße Debatte darüber hat irgendwie eine Kontamination mit dem Bösen zur Folge.

Und so hat zwar Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) jüngst erklärt, zumindest einschlägige Studien in Auftrag geben zu wollen, aber die Öko-Fundis haben sich sofort auf die Schienen in Richtung Gasautonomie gelegt. Fracking könne aufgrund der "notwendigen Vorlaufzeit von mehreren Jahren zur Lösung der aktuellen Krise keinen Beitrag leisten", hielt Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) wie absehbar die reine Lehre der grünen Religion hoch - gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Und leider halt auch nix zum Heizen.

Auch die OMV zeigt derzeit wenig Ambitionen, wurde sie doch schon vor zehn Jahren anlässlich von Probebohrungen zu Ziel einer grünlichen Hasskampagne. Eine klassische österreichische Gemengelage: Das haben wir noch nie so gemacht, da könnte ja jeder kommen, das haben wir schon immer so gemacht (anders halt), und überhaupt.

Die Konsequenzen sind nicht schwer abschätzbar: Wenn in Großbritannien die Haushalte und Unternehmen dereinst Gas aus eigener Produktion verlässlich beziehen werden, wird in Österreich noch immer evaluiert und werden Bedenken gewälzt werden. Oder wie es der deutsche Denker Kurt Tucholsky so hübsch formuliert hat: We ought to, but we do not. Putin oder seinen Nachfolger wird’s freuen.

Dass Österreich jetzt nicht mit Vollgas nach Schiefergas sucht und damit entschlossen eine Chance vergibt, diese existenzielle Krise zu lindern, ist ein schwerer Fehler - sture Ideologie führt stets zu falschen Entscheidungen, zum Schaden der Bürger.