Er war einer der reichsten Österreicher, laut "Forbes" war er 25 Milliarden Euro schwer. Nun ist Dietrich Mateschitz im Alter von 78 Jahren verstorben. Wann genau, bleibt geheim, wie so vieles in seiner Karriere. In den 1980er Jahren lernte er als Vertreter von Zahnpasta in Thailand den neuen Markt mit Energy-Getränken kennen. Gemeinsam mit dem Yoovidhya-Clan verhalf er dem viel Koffein und Zucker enthaltenen Gebräu Red Bull zu einem weltweiten Marketing-Erfolg.

Otmar Lahodynsky ist Ehrenpräsident der Association of European Journalists (AEJ), die er von 2014 bis 2021 leitete. Er war Redakteur beim Nachrichtenmagazin "profil". 
- © privat

Otmar Lahodynsky ist Ehrenpräsident der Association of European Journalists (AEJ), die er von 2014 bis 2021 leitete. Er war Redakteur beim Nachrichtenmagazin "profil".

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Zusammen mit den modischen Dosen verkaufte er ein urbanes Lebensgefühl. Und er investierte viel Geld in Sportprojekte, die wieder für seine Drinks warben: Ein erfolgreicher Formel-1-Rennstall, ein Fußballteam in Salzburg, spektakuläre Flugshows, waghalsige Sportler. Der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner wagte 2012 sogar den Sprung aus der Stratosphäre - ein weltweit übertragener Werbeerfolg.

Für - mitunter auch bei Aufnahmen für Red-Bull-Werbung - verletzte Sportler gründete er die "Wheels for Life"-Stiftung zugunsten von Querschnittsgelähmten.

Mateschitz gründete auch mehrere Medienunternehmen wie den TV-Sender Servus TV, die Magazine "Servus", "Carpe Diem" und "Terra Mater", die Recherche-Plattform "Addendum" oder das "Red Bulletin", zuletzt machte er auch beim Magazin "Der Pragmaticus" des Liechtensteiner Prinzen mit.

Servus TV, das er zum größten Privat-Sender Österreichs aufbaute, wurde mit spektakulären Naturfilmen und TV-Debatten bekannt. Als 2016 beim Sender ein Betriebsrat gegründet werden sollte, drohte "Didi" Mateschitz umgehend mit Schließung. Nach einer Ergebenheitserklärung der Bediensteten ging der Sendebetrieb weiter. Aber agiert so ein verantwortungsvoller CEO? Was, wenn sich eine alleinerziehende Mutter nach dem blauen Brief das Leben genommen hätte? Auch die Medienplattform "Addendum" stellte Mateschitz ohne Vorwarnung ein.

2017 gab der sonst medienscheue Unternehmer der "Kleinen Zeitung" ein seltenes Interview, in dem er sich als Rechter und Bewunderer Donald Trumps outete. So kritisierte er das "Meinungsdiktat des politisch Korrekten" durch eine "intellektuelle Elite", die er natürlich links verortete. Harte Kritik übte er an der "Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle" im Jahr 2015. Und obwohl er vom EU-Binnenmarkt reichlich profitierte – die EU-Kommission setzte sich sogar für die Zulassung von Red Bull in Frankreich, wo die geheime Rezeptur als Gesundheitsgefährdung gewertet wurde, ein -, verbreitete er über seine Medien reichlich EU-Skepsis.

Servus TV räumte zuletzt in der Pandemie Impfkritikern und Verschwörungsanhängern viel Sendezeit ein. Sederintendant Ferdinand Wegscheider durfte in seiner wöchentlichen Rückschau "Der Wegscheider" oft rechtslastige und EU-feindliche Thesen vertreten. Auch der Chef der rechtsextremen Identitären-Bewegung, Martin Sellner, war oft in Talkshows auf Servus TV zu Gast. Der ehemalige "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker leitet jeden Sonntag professionell gestaltete Diskussionsrunden aus Salzburg in "Talk im Hangar-7", mitunter ist die Gästeauswahl eigenwillig.

Mateschitz gab sich gerne heimatverbunden: Der gebürtige Steirer kaufte und renovierte alte Schlösser, Hotels und Gasthäuser – etwa im Ausseerland oder rund um den von ihm wiederbelebten Formel1-Ring in Zeltweg, der natürlich nach dem Energy-Drink benannt wurde.

Der Konkurrenssender Puls 4 erinnerte in seinem Nachruf an eine seltsame Drohung des Dosenmilliardärs gegenüber dem "profil"-Wirtschaftsjournalisten Michael Nikbakhsh. Als dieser 2003 für eine geplante Biografie über Mateschitz ein kurzes Telefonat mit dessen Mutter führte, rastete der Dosenkavalier völlig aus. Mateschitz beim Hahnenkammrennen vor Zeugen: "Sie haben meine Mutter behelligt. Ich dulde das nicht." Und: "Solange eine Kniescheibe in Moskau 500 Dollar kostet, werden Sie nicht sicher sein." Mateschitz entschuldigte sich später dafür, aber die Drohung zeigt, wie skrupellos er bei Geschäften vorging. Offen bleibt auch, woher er die Preisgestaltung Moskauer Schlägertrupps kannte.

Der Journalist Wolfgang Fürweger, der die erste Biografie "Die Red-Bull-Story. Der unglaubliche Erfolg des Dietrich Mateschitz" verfasste, bekam Hausverbot trotz positiver Berichterstattung: "Herr Mateschitz konnte den Inhalt nicht kontrollieren, und fehlende Kontrolle ist ihm und seinen Leuten einfach nicht geheuer."

Zuletzt machte Mateschitz auch aus seiner schweren Krankheit ein Geheimnis. Sogar die Todesnachricht wurde mit großer Verspätung veröffentlicht.

Sein Erbe teilen sich seine 39-jährige Lebensgefährtin Marion Feichtner und ein 29-jähriger Sohn aus einer früheren Beziehung. Da in Österreich die Erbschaftssteuer abgeschafft wurde, dürfen sie sich über ein abgabenfreies Erbe freuen.