Rosina Baumgartner vom Katholischen Familienverband schrieb jüngst in ihrem Gastkommentar zum 20-jährigen Jubiläum des Kinderbetreuungsgeldes, dieses leiste einen entscheidenden Beitrag zur Väterbeteiligung in der Familienarbeit. Ist also in Sachen Aufteilung der Familienaufgaben zwischen Vätern und Müttern aufgrund der staatlichen finanziellen Unterstützung eh alles auf gutem Weg oder gar schon gut? Bei weitem nicht.

Dieter Breitwieser-Ebster ist Vorstandsmitglied und Väterarbeiter beim Verein "Papainfo". Er war selbst insgesamt 14 Monate in Väterkarenz und leitet Workshops für (werdende) Papas und Elternpaare. - © Saskia Schlichting
Dieter Breitwieser-Ebster ist Vorstandsmitglied und Väterarbeiter beim Verein "Papainfo". Er war selbst insgesamt 14 Monate in Väterkarenz und leitet Workshops für (werdende) Papas und Elternpaare. - © Saskia Schlichting

Erst Anfang des heurigen Jahres zeigte eine Studie der Arbeiterkammer (AK), dass nur 1 Prozent der Väter die Erwerbsarbeit für länger als sechs Monate unterbricht, um Kinderbetreuungsgeld zu beziehen beziehungsweise sich voll und ganz ums Kind zu kümmern. Es stimmt, dass das Aufbauen von Bindung und Beziehung Zeit braucht. Wenn sich der Vater - aus meist monetären Gründen - nur sehr kurz ausschließlich diesen Aufgaben und Herausforderungen zuwendet, gibt es diese Zeit nicht. Denn neben einem Vollzeitjob geht sich meist erst am Wochenende der Spielplatzbesuch aus und die Begleitung zum Kinderarzt gar nicht. Das Kinderbetreuungsgeld und auch dessen Reform 2016 mit der Umstellung auf ein tageweises Kinderbetreuungskonto haben hier nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Zwar gehen mehr Männer (rund 10 Prozent) bis zu drei Monate in Karenz, doch insgesamt ist die Zahl der männlichen Empfänger sogar rückläufig. Jene Männer, die im Papamonat waren, beziehen laut der AK-Studie später kaum bis gar kein Kinderbetreuungsgeld.

Das Ziel, durch finanziellen Anreiz mehr Männer zur Karenz zu bewegen, wurde klar verfehlt. Dabei würden sie danach langfristig sogar besser verdienen. Dies sollten sich Männer wie Unternehmen auf der Zunge zergehen lassen. Denn wer für Kind und Haushaltsmanagement zuständig ist, erwirbt Fähigkeiten, die im Berufsleben gefragt sind. Neben Konfliktfähigkeit und Empathie kommen Planungskompetenz und Umgang mit Rückschlägen dazu.

Es braucht also ein Umdenken bei Männern und Frauen, Politik und Unternehmen. Der Papa oder eine zweite Bezugsperson ist ab der Geburt sehr wichtig für das Kind und auch für die Mutter. Er kann alle Aufgaben (bis auf das Stillen) mit dem Baby übernehmen. Nur wenn man etwas tut, kann man es üben, Fehler machen, neue Strategien überlegen und besser werden. So werden eine tragfähige Bindung und Beziehung aufgebaut. Natürlich können auch Väter in Vollzeit ohne Karenz eine starke Bindung zum Kind aufbauen. Man bleibt aber Helfer und in Sachen Familienentscheidungen Nebendarsteller. Klingt drastisch. Aber die Belastung und die Verantwortung rund um die Tätigkeiten und die Erledigungen all der sichtbaren und unsichtbaren Aufgaben in der Familie bleiben zu 99 Prozent bei den Müttern, die somit fast vollständig den "mental load" tragen.

Es reicht nicht, wenn Väter ein bis drei Monate Kinderbetreuungsgeld beziehen. Es braucht eine faire Aufteilung der Familienaufgaben in der Partnerschaft über die Karenz hinaus, ausreichende Kinderbetreuungsplätze und entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen. Die jetzigen sorgen eher für eine Retraditionalisierung des Familienbildes: Papa bringt das Geld heim, Mama auch ein bisschen und kümmert sich zusätzlich gratis um alles andere. Manche Mütter werden sich auch vom "maternal gatekeeping" verabschieden müssen, also vom Glauben, sie allein wissen, wie das Kind richtig betreut wird. Väter können das auch. Nur heißt das wohl für Papas, auf etwaige Bequemlichkeiten zu verzichten, und für Mamas, anzuerkennen, dass es nicht die eine richtige (nämlich ihre) Art zu betreuen und zu erziehen gibt.

Familienarbeit und deren faire Aufteilung ist harte Arbeit und neben Vollzeit im Beruf anfangs nicht einfach zu managen. Von Frauen wird es aber weithin schlicht erwartet, auch wenn sie Vollzeit arbeiten. Für gleichberechtigte Elternschaft braucht es ein Übernehmen und Abgeben von Verantwortung und auch ein gegenseitiges Vertrauen. Denn ja, Väter gehen mit dem Kind und der jeweiligen Situation anders um als Mütter. Das ist okay, aber es muss halt gemacht werden.