Lange - zu lange! - hat es gedauert. Jetzt scheint es aber doch langsam zu dämmern, dass jene, die zwar schon in Pension sind, aber dennoch aktiv bleiben wollen, einen Beitrag dazu leisten können, den in einigen Branchen schon prekär und wachstumshemmend gewordenen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu mildern. Übrigens ziemlich genau das Gegenteil dessen, was in den ersten Pandemiezeiten der Fall war, als sich viele Ältere auch von ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten verabschieden mussten und man sie am liebsten in ihren eigenen vier Wänden "verräumen" wollte.

Josef Redl ist Betriebswirt und war im Bank- und Versicherungsbereich sowie danach ehrenamtlich tätig, unter anderem für "Seniors4success". - © Prudlo
Josef Redl ist Betriebswirt und war im Bank- und Versicherungsbereich sowie danach ehrenamtlich tätig, unter anderem für "Seniors4success". - © Prudlo

Ist dieser plötzliche Umschwung bloßer Zufall oder entspringt er eher einer strukturellen Notwendigkeit? Eher Letzteres, wie es aussieht. Schreitet die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters doch eher nur gemächlich voran, scheitert eine höhere Frauenerwerbsquote noch immer zu oft am eklatanten Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und wird von rechter Seite wieder gegen eine bedarfsgesteuerte Zuwanderung gehetzt wie eh und je, indem Asyl und Zuwanderung auf unsauberste Art miteinander vermengt werden.

Wie auch immer, diese deutlich positiven Signale für Ältere, auf dem Arbeitsmarkt jetzt wieder willkommen zu sein (statt wie vorher unisono zum alten Eisen erklärt zu werden), sind prima vista natürlich erfreulich. Zumal es hier nun auf einmal auch noch konkret zu werden scheint. Die Politik zeigt sich plötzlich bereit, schon lange bekannte Hürden auf dem Weg zu einer stärkeren Weiterbeschäftigung von Älteren endlich aus dem Weg zu räumen. Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec forderte unlängst im "Kurier", den Pensionsbeitrag von 22,8 Prozent zu streichen, wenn sich Pensionisten etwas dazuverdienen wollen. Die Pensionszuschläge für das Arbeiten über das Regelpensionsalter hinaus sollten auf 5,1 Prozent erhöht werden. Löbliches Argument: Längeres Arbeiten soll sich - im Gegensatz zum jetzigen Empfinden - finanziell stärker auszahlen.

Krankenkassenbeiträge hingegen sollen arbeitende Pensionisten weiterhin bezahlen müssen, was allerdings kaum nachvollziehbar erscheint. Gibt es doch als Gegenleistung für bezahlte Pensionsbeiträge in den Folgejahren minimale Pensionserhöhungen - was automatisch die Frage nach sich zieht, warum das nicht auch auf die Krankenkassenbeiträge zutreffen soll. Einmal im Krankheitsfall behandelt werden und dafür zweimal Krankenversicherung zu bezahlen (von der Pension und vom Zuverdienst danach): Ist das das Modell, das sich hinter dieser Logik verbirgt? Entsprechend erklärt worden ist das jedenfalls bisher nicht . . .

Resümee: Auch wenn man sich vom Arbeitskräftepotenzial unter den bereits Pensionierten keine Wunderdinge erwarten darf - wert, es sich näher anzuschauen, ist es allemal. Die Plattform "Seniors4success" hat deshalb dem Arbeitsminister, dem AMS-Chef Kopf und der Statistik Austria vorgeschlagen (bisher ohne positive Reaktion), dieses Potenzial quantitativ und qualitativ zu durchleuchten und mit den Anforderungen seitens der Wirtschaft statistisch zu verschränken, um herauszufinden, wie viele Pensionisten mit den entsprechenden finanziellen Anreizen tatsächlich wieder auf den Arbeitsmarkt zu locken sind, um den hohen Arbeitskräftebedarf abzudecken.