Die beiden vergangenen Jahre waren schwierig: Pandemie, größere Armut, mehr Ungleichheit, hohe Flüchtlingszahlen und nun auch zweistellige Inflation, noch höher liegt sie beim täglichen Einkauf. Aber geht es uns nicht auch besser? Kein Krieg bei uns, teure Energie könnte auch zu Veränderungen führen, die uns zukunftsfit machen, wie der Ausbau der Erneuerbaren, wenn nicht regionale Egoismen immer wieder verzögern würden. Geht ja auch später, oder?

Karl Aiginger ist Direktor der Europa-Plattform (www.querdenkereuropa.at) und lehrt an der WU Wien. Er ist Autor von Europa-Projekten, Mitglied des ForumFuture-Teams und der Schumpeter-Gesellschaft. - © Eric Kruegl
Karl Aiginger ist Direktor der Europa-Plattform (www.querdenkereuropa.at) und lehrt an der WU Wien. Er ist Autor von Europa-Projekten, Mitglied des ForumFuture-Teams und der Schumpeter-Gesellschaft. - © Eric Kruegl

Einiges ist besser geworden. Die Pandemie läuft langsam aus, wir dürfen wieder (vorsichtig) feiern. Trotz niedrigem Wachstum sucht jede Firma verzweifelt Beschäftigte - wohin ist die Arbeitslosigkeit verschwunden, die früher immer bei niedrigem Wachstum eintrat: ein Wunder oder ein Zeichen, dass wir uns die Arbeit aussuchen können? Besser aufteilen in Familie und über die Woche, teils im Homeoffice. Wir hätten Arbeit für Flüchtlinge, jene aus der Ukraine sind hochqualifiziert. Wir diskriminieren sie weiter, ohne Deutschkenntnisse und österreichische Ausbildung bekommen sie keinen Job, der ihrer Ausbildung entspricht.

Wir sehen, dass Kommunisten nicht einmal mehr Kriege gewinnen, das eigene Volk belügen oder die Welt durch Investitionen und "Seidenstraßen" erobern wollen. Der US-Kapitalismus bringt große Innovationen und reiche Firmen, aber sie dienen nicht der Bevölkerung, sondern der Beeinflussung von Wahlen, deren Ergebnisse oft angezweifelt werden. Lebenserwartung und Gesundheit steigen oft nicht. Waffen gibt es überall.

Wie könnte unser Wirtschaftssystem verbessert werden? Eine Zukunft des Kapitalismus, aber mit menschlicher Orientierung, sozialer und klimabewusster statt nur profitorientiert. Mehr an andere denken, nicht durch militärisches Aufrüsten, sondern durch Hilfsgüter für Notleidende (und später Wiederaufbau etwa durch einen Marshall-Plan für die Ukraine). Russen, auch Ungarn, Türken und Perser wollen ein gutes Leben haben, nicht die Herrschaft durch einen Führer, sei er weltlich oder religiös. Ein besseres Wirtschaftssystem darf nicht nur an der Wirtschaftsleistung gemessen werden, auch weniger Ungleichheit, Pressefreiheit, geringere Emissionen, freie Berufswahl oder Kinder- und Altenbetreuung müssen Indikatoren sein. Populisten sei gesagt: Alle verdienen ein längeres, gesünderes Leben, bekommen dieses aber nicht, indem man die Not anderer für Wählerstimmen nutzt, Feinde einsperrt oder Zäune baut.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, nicht der Eigenliebe und Selbstzufriedenheit. Wir mussten Probleme bewältigen. Teils ist das gelungen, meistens nicht allein, sondern mit anderen. Helfen wir auch denen, die wir nicht kennen: den Betroffenen des Krieges, denen, die sich keine warme Stube leisten können. Es entwickelt sich gerade eine neue Wirtschaftsordnung, die weder der alte Sozialismus sein wird noch der US-Kapitalismus oder Chinas straffe Autokratie. Europa, das größer ist als die USA (plus Kanada und Mexiko), inhomogen, aber insgesamt sozialer, klimabewusster und friedlicher als die alten Großmächte, kann dabei eine Führungsrolle übernehmen, gemeinsam mit Nachbarn im Osten und Süden, die teils anders denken und andere Probleme haben. Denken wir dabei voraus, vergeuden wir keine Energie, nutzen wir sie für Freude.

Mehr zum Thema finden Sie in den Beträgen "The Future of Capitalism - Die Entwicklung unseres Wirtschaftssystems" und "Reconstructing Ukraine. How to design a Marshall Plan".