Zinserhöhungen, Inflation, Lieferengpässe, Energiekosten - die aktuellen Rahmenbedingungen für den Immobilienmarkt sind turbulent. Globale Branchenexpertinnen und -experten rechnen mit einem weltweiten Abschwung in den kommenden zwei Jahren. In Österreich zeigte sich zuletzt spürbare Zurückhaltung in der Nachfrage nach Immobilien. Manche Faktoren werden auch 2023 schlagend, andere kommen neu dazu:

Martina Hirsch ist Geschäftsführerin der sREAL GmbH. - © sREAL GmbH / Stephan Huger
Martina Hirsch ist Geschäftsführerin der sREAL GmbH. - © sREAL GmbH / Stephan Huger

Die Zeit der Nullzinsen ist vorbei. Die steigenden Zinsen für Kredite werden beim Immobilienerwerb 2023 eine Rolle spielen. Vielfach wird freilich vergessen oder verdrängt, dass die Situation nicht neu ist: Vor 15 Jahren waren die Zinsen auf dem Niveau von heute - man muss und wird sich wieder daran gewöhnen.

Zum Tragen kommen 2023 auch die neuen Kreditvergaberichtlinien. Durch die Verschärfung durch die Finanzmarktaufsicht ist es schwieriger geworden, Kredite für Wohnimmobilien zu erhalten. Maßgeschneiderte Beratung und Finanzierung sind damit wichtiger denn je.

Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, wie genau es mit Inflation, Wirtschaftskraft und Energiepreisen weitergeht. Aber dass sich die Inflationsrate weiter auf hohem einstelligen Niveau bewegen wird, scheint klar. Der Bauboom in Österreich wird damit gebremst. Allgemein wird für 2022 mit einer Stagnation bei den Fertigstellungen gerechnet, für 2023 laut Exploreal mit einem Rückgang um bis zu 15 Prozent.

Die Baukosten werden weiter steigen. Im dritten Quartal 2022 haben sich in Österreich laut Wohnimmobilienpreisindex der Nationalbank die Preise für Einfamilienhäuser (exklusive Wien) im Jahresvergleich um 12,5 Prozent verteuert - und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Ab dem Jahreswechsel werden zusätzlich zu den Material- auch die Personalkosten steigen.

Seit der Pandemie - Stichwort: Homeoffice - spielen zentrale Lage oder Nähe zum Arbeitgeber eine weniger wichtige Rolle. Steigende Kosten für Strom und Heizung lassen den Energieverbrauch dagegen zu einem kritischen Faktor bei der Immobiliensuche werden. Einige Lagen und Objekte werden 2023 stabil auf dem jetzigen Preisniveau bleiben, andere dagegen nur mit preislichen Abschlägen verwertbar sein. Besonderes Augenmerk wird mittlerweile auf energieeffiziente, "grüne" Immobilien und Klimaschutz gelegt.

Immobilieninteressierte wollen Transparenz zu Angeboten und Preis- beziehungsweise Wertentwicklungen, Informationen zum Marktumfeld oder auch zu Energiethemen, um Entscheidungen zum Thema Wohnen zu treffen. Mindestens so wichtig ist die einfache digitalisierte Abwicklung der Transaktionsprozesse. Plattformen und Portale, die dem Rechnung tragen, werden die Nase vorn haben.

Der Wohnimmobilienmarkt ändert sich, das Bedürfnis bleibt. In den vergangenen Jahren gab es eine konstante, aber ständige Weiterentwicklung. Nun ändern sich die Rahmenbedingungen. Klar ist: Wir alle wohnen, und es gibt immer Situationen, die uns veranlassen, umzuziehen, sei es beruflich oder familiär bedingt. Wir werden also weiter wohnen. Aber wir werden Angebote bewusster auswählen, nachhaltig denken und sorgfältig prüfen.