Die österreichische Wirtschaft leidet unter Arbeitskräftemangel - neun von zehn Unternehmen geben an, Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu haben. Tatsächlich befinden sich Arbeitgeber derzeit in einem bis dato in vielen Branchen unbekannten Konkurrenzkampf um geeignetes Personal. Ein Ende ist aktuell nicht in Sicht, eher wird sich die Lage ob der Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation weiter verschärfen. Angesichts dessen müssen sich die heimischen Betriebe mehr denn je ins Zeug legen, um Mitarbeitende zu finden und zu halten. Tatsächlich vergeben sie aber vielfach Chancen durch komplizierte Bewerbungsverfahren und einer "Friss oder stirb"-Attitüde bei der Personalsuche.

Auch Unternehmen werben um Arbeitskräfte

Heute bewerben sich nicht nur Jobsuchende bei Unternehmen, sondern genauso Unternehmen bei potenziellen Arbeitskräften. Und so sind auch diese gefordert, ihre "Bewerbungsmappen" in Form von Arbeitgeberprofilen zu gestalten und sich damit auseinanderzusetzen, was Arbeitssuchende wollen.

Georg Konjovic ist Geschäftsführer des Jobvermittlungsportals Karriere.at. 
- © Karriere.at

Georg Konjovic ist Geschäftsführer des Jobvermittlungsportals Karriere.at.

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Was ist also den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wichtig? Einer Studie von Karriere.at und der auf Compliance spezialisierten Unternehmensberatung Rosa Elefant OG zufolge sind es neben einem ansprechenden Gehalt und der Jobsicherheit vor allem Wohlfühlfaktoren wie die Stimmung im Unternehmen und die Arbeitsbedingungen, die darüber entscheiden, ob ein Mensch bei einem Unternehmen bleibt oder geht, und wo er sich bewirbt.

Darüber hinaus spielt werteorientiertes Handeln für die Mitarbeitenden eine nicht zu vernachlässigende Rolle, allen voran ein integres Verhalten der Führungskräfte: Für neun von zehn Arbeitskräften ist ein korrektes und integres Verhalten der Führungskräfte und der Unternehmensleitung relevant bei der Bewertung von potenziellen Arbeitgebern; mehr als die Hälfte würden sich andernfalls gar nicht bewerben. Wichtig sind den Bewerberinnen und Bewerbern auch Maßnahmen ihrer Arbeitgeber in Sachen Nachhaltigkeit und Diversität. Diese Erwartungen haben übrigens nicht nur die Jungen, sondern sie kommen auch von Erwerbstätigen älterer Generationen.

Worten müssen Taten und Taten Worte folgen

Als Reaktion auf die angespannte Lage am Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren unter dem Stichwort "Employer Branding" eine eigene Disziplin entwickelt, die sich dem Thema Arbeitgebermarke widmet. "Tue Gutes und rede darüber" - diesen Spruch aus der PR müssen sich Unternehmen nicht nur bei der Imagepflege gegenüber Kunden, sondern auch bei der Personalsuche zu Herzen nehmen, um langfristig qualifizierte Leute zu finden und zu halten. Es ist hoch an der Zeit, dass Arbeitgeber ihre Unternehmenswerte als Teil der eigenen "Bewerbungsmappe" bei der Suche nach den besten Talenten nach außen kommunizieren.