Unter den 20 wertvollsten Unternehmen der Welt finden sich im jüngsten Ranking des Finanznachrichtendienstes Bloomberg 16 US-Konzerne, berechnet nach ihrem Wert an der Börse. Unter die ersten 12 reiht sich sogar nur ein Unternehmen, das nicht in den USA beheimatet ist. Die US-Übermacht zeigt sich damit einmal mehr und noch deutlicher als in den vergangenen Jahrzehnten. Die ausgeprägte Risikobereitschaft von US-Firmengründern, das hohe gesellschaftliche Ansehen des Unternehmertums und bessere Finanzierungsbedingungen schaffen das Umfeld, in dem unternehmerischer Erfolg gedeiht.

Alexander Eberan leitet das Private Banking Wien bei der Steiermärkischen Sparkasse. - © www.schubiduquartet.com / www.thomasraggam.com / Thomas Raggam
Alexander Eberan leitet das Private Banking Wien bei der Steiermärkischen Sparkasse. - © www.schubiduquartet.com / www.thomasraggam.com / Thomas Raggam

Trotz des Absturzes der Tech-Aktien im ausgehenden Börsenjahr 2022 um gut ein Viertel ihres Wertes haben Technologiekonzerne immer noch die Nase vorne. Apple bleibt mit einem Wert von umgerechnet mehr als 2 Billionen Euro die Nummer 1 weltweit. Dahinter folgen Microsoft (umgerechnet 1,7 Billionen Euro) und der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco aus Saudi-Arabien. Auf Rang 4 findet sich der Tech-Gigant Alphabet (Google), der gegenüber 2021 einen Platz verloren hat, gefolgt von Amazon auf Rang 5. Berkshire Hathawy, der Finanzdienstleister des berühmten Investors Warren Buffet, hat sich mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 640 Milliarden Euro vom 9. Platz im Vorjahr auf Platz 6 vorgearbeitet. Auf den Plätze 7 bis 10 liegen Konzerne, die im Vorjahr noch nicht unter den Top 10 waren: die Pharmariesen United Health sowie Johnson & Johnson, der Ölkonzern Exxon Mobil sowie der Finanzdienstleister Visa. Hingegen ist der Autokonzern Tesla von Elon Musk im Ranking vom 6. auf den 11. Platz abgerutscht.

Erst an 17.Stelle findet sich der wertvollste Konzern Europas, der französische Luxusgüterriese LVMH mit seinen berühmten Marken wie Louis Vuitton, Moët & Chandon oder Dior. Der deutsche Software-Konzern SAP liegt auf Rang 91. Für Europa sollte das Ranking - wieder einmal - ein Weckruf sein, strukturelle Reformen stärker in Angriff zu nehmen. Aktuell schwächeln europäische Unternehmen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und der daraus überschwappenden hohen Energiepreise. Doch bereits seit der Finanzkrise 2008 zeigt sich, dass die USA aus jeder Krise stärker hervorgehen als Europa. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey sind die Umsätze großer europäischer Unternehmen zwischen 2014 und 2019 um rund 40 Prozent langsamer gewachsen als jene ihrer Pendants in den USA.

Europäische Rezepte aus den 1960er und 1970er Jahren, etwa für den Arbeitsmarkt, müssen neu und flexibler gedacht werden. Aber auch am Kapitalmarkt braucht Europa Gesetze, die den Unternehmen den Zugang zu frischem Kapital erleichtern. Nicht zuletzt investieren Europas Firmen laut McKinsey weniger, und zwar um 8 Prozent. Satte 40 Prozent weniger fließen bei europäischen Unternehmen in Forschung und Entwicklung als bei ihren Mitbewerbern aus den USA. Vor allem in der jüngeren Generation ist der Hunger nach unternehmerischen Aktivitäten auch in Europa groß, wie eine starke Start-up-Szene etwa in Berlin zeigt. Doch um an die USA anzuschließen, braucht es mehr als nur guten Willen.