Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen geben Anlass zur Freude. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie schon viele Jahre nicht und die Beschäftigungsquote steigt.

Ulrike Famira-Mühlberger ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Ulrike Famira-Mühlberger ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Dennoch stehen hinter den erfreulichen Zahlen strukturelle Probleme, die es zu lösen gilt. Wir sehen in manchen Branchen und Regionen einen ausgeprägten Arbeitskräftemangel. Pflege und Gesundheit, IT und Tourismus sind ein paar Beispiele, die immer wieder in diesem Kontext diskutiert werden. Gleichzeitig sind rund 80.000 Personen bereits länger als ein Jahr beschäftigungslos. Ein wesentlicher Teil dieser Personen ist älter und viele davon gesundheitlich beeinträchtigt. Darüber hinaus passen ihre Qualifikationen oft nicht mit den nachgefragten Qualifikationen überein.

Wir wissen, dass ältere Personen zwar seltener arbeitslos werden, sind sie jedoch arbeitslos, haben sie es schwerer, wieder in Beschäftigung zu gelangen. Maßnahmen, die verhindern, dass ältere Menschen arbeitslos werden, sind also zentral. Gesundheitliche Präventionsmaßnahmen und frühzeitige Umschulungsmöglichkeiten sind hier politische Handlungsfelder, die aufgrund der Alterung der Gesellschaft in den nächsten Jahren wichtiger werden.

Um die Auswirkung der kommenden Pensionierungswelle der Baby-Boomer-Generation zu reduzieren, wäre es sinnvoll, die finanziellen Anreize, länger zu arbeiten, zu erhöhen. Zurzeit gibt es einen Bonus von 4,2 Prozent pro Jahr, wenn über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus gearbeitet wird (beschränkt auf 3 Jahre), wobei in dieser Zeit nur die Hälfte der Pensionsversicherungsbeiträge bezahlt werden muss. Eine kürzlich erschienene Studie des WIFO hat gezeigt, dass Menschen, die ein Jahr länger arbeiten, mit einer Steigerung der Pension um 100 bis 200 Euro rechnen können - je nach Beruf und Erwerbseinkommen. Eine Erhöhung dieser finanziellen Anreize könnte in den nächsten Jahren helfen, den Arbeitskräftemangel zu reduzieren.

Ein weiterer Baustein ist eine effektivere Unterstützung von Kindern aus bildungsfernen Schichten. Dass heute ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kinder die Pflichtschule verlässt ohne ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen zu können, ist nicht nur ein sozialpolitisches Desaster, sondern ökonomisch nicht sinnvoll, weil dadurch in Zukunft qualitativ gut ausgebildete Fachkräfte fehlen.

Ebenso nötig sind effektive Maßnahmen, die zu mehr Gleichberechtigung von Frauen führen und die Bedingungen ihrer Arbeitsmarktbeteiligung verbessern. Sowohl Kindergärten als auch Volksschulen müssen flächendeckend qualitativ und quantitativ ausgebaut werden. Nur so können beide Elternteile sich ihrer - in den letzten Jahren gestiegenen - Ausbildung entsprechend am Arbeitsmarkt beteiligen. Es wird wesentlich sein, Frauen echte Karrierechancen zu geben, um ihre Arbeitsmarktpartizipation zu erhöhen.

Wie bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle geschrieben, wird auch eine gezielte Migration eine Stellschraube sein, um den Arbeitskräftemangel zu reduzieren. Diese muss einerseits auf den mitgebrachten Qualifikationen basieren, aber auch Qualifizierungsmöglichkeiten für jene bieten, die eine zu geringe Qualifikation mitbringen.