Die Welt blickt derzeit gespannt auf Davos: In der Gemeinde in den Schweizer Alpen verhandeln derzeit Politik und Wirtschaft über die dringendsten Themen, die den Globus beschäftigen. Angesichts von Krisen und Konflikten ist die Agenda gut gefüllt: Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme und Ernährungssicherheit sind nur einige Punkte. Das alles überschattende Thema ist und bleibt allerdings die Klimakrise. Rasche und praktikable Lösungen sind hier unbedingt notwendig, denn die Auswirkungen des Klimawandels machen sich bereits in allen Lebensbereichen deutlich bemerkbar.

Harald Breit ist CEO des Beratungsunternehmens Deloitte Österreich. - © feelimage/Matern
Harald Breit ist CEO des Beratungsunternehmens Deloitte Österreich. - © feelimage/Matern

Auch der Großteil der Unternehmen weltweit spürt sie bereits, wie eine aktuelle Deloitte-Studie zeigt. Hinzu kommt bei vielen der Druck seitens der Stakeholder, etwas gegen die zunehmende Erderwärmung zu unternehmen - und das auf unterschiedlichsten Ebenen. Sowohl Management und Beschäftigte als auch Regulierungsbehörden, Kunden sowie Zivilgesellschaft fordern immer stärker eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Das macht deutlich: Das Setzen von Maßnahmen für den Klimaschutz ist für Wirtschaftstreibende rund um den Globus längst keine Freiwilligkeit mehr, sondern wird zunehmend zum zentralen Aspekt für den Unternehmenserfolg.

Erfreulicherweise haben viele Unternehmen diese Tatsache bereits erkannt. So ist der Klimawandel mittlerweile zu einem der wichtigsten Faktoren für die Ausrichtung ihrer Strategien geworden. Und trotz multipler Krisen erhöhen die meisten Unternehmen ihre Investitionen im Bereich Nachhaltigkeit. Sie setzen auf die Verwendung nachhaltiger Materialien oder die Entwicklung klimafreundlicher Produkte und Produktionsprozesse. Auf dem Weg zu einer besseren, klimafreundlicheren Zukunft ist das ein wichtiges Zeichen, dessen Bedeutung nicht zu unterschätzen ist.

Gleichzeitig agiert die Politik bei der Umsetzung konkreter, teilweise disruptiver Maßnahmen aber noch immer zu zögerlich: Zwar sollen beispielsweise im Bereich des rascheren Ausbaus der erneuerbaren Energien durch eine Novelle der Umweltverträglichkeitsprüfung zukünftig kürzere Verfahrensdauern erreicht werden, dennoch drohen solche Maßnahmen im Kompetenzgewirr zwischen Bund, Ländern und Gemeinden viel von ihrer Effektivität zu verlieren. Andere Maßnahmen wie ein dringend notwendiges Klimaschutzgesetz sind nach wie vor Gegenstand parteipolitischer und föderaler Diskussionen.

Das gilt es dringend zu ändern. Denn Fakt ist: Um die Klimawende zu schaffen, sind neben Innovationen auf Unternehmensebene auch grundlegende strukturelle Veränderungen eine wesentliche Voraussetzung. Zum Teil liegt es freilich auch an den Unternehmen, diese anzustoßen und das Feld nicht ausschließlich den Klimaaktivisten zu überlassen.

Insgesamt hat die Wirtschaft die ersten Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt bereits gesetzt. Angesichts der Dringlichkeit des Problems passiert vieles aber noch zu langsam und ohne die notwendige Zielstrebigkeit - Zurückhaltung ist hier definitiv fehl am Platz. Was es jetzt braucht, ist ein Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft. Und es sind rasche Lösungen notwendig, um den so wichtigen Wandel in Gang zu setzen.