Österreich und Korea, unsere beiden Länder, die im Jahr 2022 das 130-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen feierten, haben eine außergewöhnliche Freundschaft entwickelt. Österreich ist in Korea ein sehr beliebtes Land; vor der Pandemie besuchten jährlich etwa 300.000 koreanische Touristen Österreich. Auch Außenminister Alexander Schallenberg erwähnte beim Treffen mit dem koreanischen Außenminister Park Jin in Seoul, dass die bilateralen Beziehungen der beiden Staaten so gut wie nie zuvor sind. Drei unterschiedliche Beobachtungen illustrieren die Vielfalt des Verhältnisses zwischen unseren Ländern.

Seoul im Oktober 2022: Das Koreanische Nationalmuseum ist mit zahlreichen Besuchern gefüllt, die sich die Sonderausstellung "Bezaubernde Meisterwerke: 600 Jahre Habsburg" ansehen wollen. Die Habsburger sind in Korea zwar nicht besonders bekannt, jedoch ist die Sammlung mit ihren europäischen Kunstwerken beeindruckend genug, um ein großes Publikum anzuziehen. Die Ausstellung, die bis März 2023 geöffnet hat, verzeichnete im Jahr 2022 sogar die zweitgrößte Besucherzahl unter den Ausstellungen in Korea.

Ham Sang Wook ist Außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Korea in Österreich. Davor war er stellvertretender Minister für multilaterale und globale Angelegenheiten. 
- © BMLV / Paul Kulec

Ham Sang Wook ist Außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Korea in Österreich. Davor war er stellvertretender Minister für multilaterale und globale Angelegenheiten.

- © BMLV / Paul Kulec

Wien im November 2022: Im Goldenen Saal des Musikvereins, der als Traumbühne aller Musiker gilt, erklingen die Melodien des 23. Konzerts der Österreichisch-Koreanischen Philharmonie. Das Orchester besteht aus jungen Musikern aus Korea und Österreich und erwärmt mit seiner Musik die Herzen der 1.700 Zuseher.

Innsbruck im Dezember 2022: Ich besuche zwei ehemalige Krankenschwestern in einem Innsbrucker Altersheim. Dort übermittle ich den beiden Damen Marianne Stöger und Margaret Pissarek, die zusammen auf einer abgeschiedenen Insel in Korea lebenslang und großmütig die dort lebenden Lepra-Kranken pflegten, den tiefsten Dank und Respekt der koreanischen Bürger. Sie erzählen mir, dass sie ihr Leben in Korea als großes Glück betrachten und ihre koreanischen Freunde vermissen. Als ich ihnen Kimchi überreiche, freuen sie sich mit strahlendem Lächeln über das Geschenk.

Auf Basis dieser bilateralen Freundschaft möchte ich die Kooperation zwischen unseren beiden Ländern auch für die nächsten 130 Jahre auf den folgenden drei Ebenen verstärken.

Kooperation für Freiheit und Frieden, neuer Handelsrekord

Erstens soll die internationale Koordination auf der Grundlage der wichtigsten Werte unserer Länder, wie Demokratie und Menschenrechte, verstärkt werden. Auch die Kooperation in globalen Angelegenheiten sollte ausgebaut werden. Dazu zählen regionale Sicherheitsfragen, etwa die Lage auf der koreanischen Halbinsel und der Ukraine-Krieg, sowie Maßnahmen gegen den Klimawandel. Neulich hat die koreanische Regierung eine unabhängige Strategie für den indopazifischen Raum bekannt gegeben. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir auch für die Freiheit und den Frieden in der indopazifischen Region kooperieren können.

Zweitens hat trotz der Pandemie das bilaterale Handelsvolumen, besonders im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) sowie Automobil, einen neuen Rekord erzielt. Damit wurde das Potenzial auf wirtschaftlicher Ebene erneut erkannt. Die wirtschaftliche Kooperation ist bereits in einigen zukunftsorientierten Industriebereichen sehr aktiv. So hatten koreanische Elektrofahrzeuge im Jahr 2021 in Österreich den drittgrößten Marktanteil. Es gibt Investitionen von AT&S in Korea und eine Zusammenarbeit von Hyundai Heavy Industries und AVL bei der Entwicklung von Wasserstoff-Brennzellen. Ich werde den gemeinsamen Weg in eine nachhaltige Zukunft als wichtiger Partner für den Ausbau dieser Kooperationsgebiete voll und ganz unterstützen.

Kultureller und personeller Austausch

Drittens werde ich mein Bestes tun, um den kulturellen und personellen Austausch auf ganz Österreich auszudehnen. Heuer wird das Korea Kulturzentrum auf der Kärntner Straße in Wien eröffnet. Dieses soll als zentraler Ort für den kulturellen und künstlerischen Austausch und als Außenstelle für die koreanische Sprachausbildung dienen. Und das jährliche Konzert des Österreichisch-Koreanischen Philharmonie-Orchesters wird nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Städten stattfinden. Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit zwischen Österreich, das über ein brillantes Kunst- und Kulturerbe verfügt, und Korea, das über das Potenzial von "K-Culture" verfügt, aufblühen wird.

Wien im Jänner 2023: Ich besuche das Korea Kulturhaus im Donaupark, das durch die Unterstützung der Stadt Wien und von Koreanern in Österreich geschaffen wurde. Hier treffe ich Kinder aus koreanisch-österreichischen Familien und österreichische Bürger, die sich für Korea interessieren. Am Irissee daneben entdecke ich auf einem Schild einen vertrauten Namen. Der Weg ist nach Koreas erster First Lady, der Österreicherin Franziska Donner Rhee, benannt. Es ist eine der vielen Spuren, die unsere beiden Länder schon seit langer Zeit verbinden. Verbunden durch Freundschaft und Vertrauen, kann ich mir die Zukunft unserer beiden Länder auch weiterhin gut vorstellen. Ich hoffe, das Jahr 2023 wird ein neuer Anfang für die nächsten gemeinsamen 130 Jahre sein.