Das Motto des gerade laufenden Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos lautet "20 Jahre Open Forum Davos: Unsere Umwelt - Lehren, Herausforderungen und Chancen". Neben 52 Staats- und Regierungschefs, 56 Finanzministern, 45 Außenministern und mehr als 1.500 Topmanagern aus 700 Unternehmen wurden auch jede Menge Umweltexperten und Vertreter von Sozialorganisationen zu dem "Open Forum" eingeladen. Das klingt doch ganz gut, konstruktiv und verantwortungsvoll, oder?

Wolfgang Lusak ist Unternehmensberater in Wien sowie Gründer und Vorsitzender der

"Lobby der Mitte" (www.lobbydermitte.at). - © privat
Wolfgang Lusak ist Unternehmensberater in Wien sowie Gründer und Vorsitzender der
"Lobby der Mitte" (www.lobbydermitte.at). - © privat

Dem gegenüber meldet die Armutsbekämpfungsorganisation Oxfam, dass unter dem Strich Konzerne und Superreiche die Gewinner von Corona-Pandemie und Energiekrise sind. Oxfam hat nämlich errechnet, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung seit Beginn der Corona-Pandemie rund zwei Drittel des weltweiten Vermögenszuwachses kassiert hat.

Der Mittelstand sieht all diese widersprüchlichen Aussagen und Entwicklungen mit Unbehagen und Ärger. Denn einmal mehr ignorieren globale Konzernwirtschaft, globale Armutsbekämpfungsorganisationen und Medien, dass die mittelständische Wirtschaft in dieser Auseinandersetzung unter die Räder kommt. Weil sie immer noch den Großteil der Steuerzahlungen für den Sozialstaat schultert und zumeist gar nicht so reich, sondern oft auch selbst arm ist. Weil sie gegenüber steuerprivilegierten Kapitalgesellschaften und globalen Steuerfluchtmaßnahmen der Reichen benachteiligt und ausgebeutet wird. Weil sie im Medienkonzert über die "Reichsten der Reichen" und die "Ärmsten der Armen" nicht vorkommt und daher auch keinen politischen Druck gegen ihre vielfältigen Benachteiligungen aufbauen kann. Weil sie im Schwarz-Weiß-Bild der westlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik kaum wahrgenommen wird und dadurch umso leichter ignoriert werden kann. Die Lobby-Macht der Konzerne, der Banken, der Investoren und der kapitalismushörigen Staaten steigt weiter, während die Durchsetzungsfähigkeit von Selbständigen beziehungsweise Ein-Personen-, kleinen und mittleren Unternehmen permanent sinkt. Ein Zustand, wie er nicht nur in Österreich, sondern auch in den meisten anderen europäischen Ländern besteht.

Haben die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums verstanden, dass mit dem unternehmerischen Mittelstand auch ihre eigenen Lieferanten und Kunden zugrunde gehen? Und ist den Oxfam- und sonstigen Gerechtigkeitsaktivisten klar, dass es den Menschen ohne den Mittelstand noch viel schlechter gehen wird, weil er für faire Arbeitsplätze, nachhaltige Innovationen, guten Lehrlingsnachwuchs, regionale Nahversorgung und ausreichend volle Steuertöpfe sorgt?

In den Berichten pro und contra Weltwirtschaftsforum ist vom wahren Herz, Hirn und Rückgrat der Wirtschaft - nämlich vom Mittelstand - so gut wie nichts zu lesen. Die generelle Spaltung und Polarisierung, aber auch die Ignoranz der kapitalistischen und der sozialistischen Pressure-Groups tötet die Mitte der Gesellschaft. Ohne sie gibt es aber noch mehr Umweltzerstörung, Krieg und Leid. Die Lobby der Mitte protestiert. Im Namen aller.