"Islamophobie-Kritiker" wie Benz inszenieren sich gerne als verfolgte Spezies. Vielleicht ist es ja die imaginierte gesellschaftliche Marginalität, die sie dazu treibt, einem Projekt wie "Muslim-Markt" bereitwillig Rede und Antwort zu stehen, das die Gleichstellung von Mann und Frau ebenso für eine "Pervertierung des menschlichen Daseins" hält wie Homosexualität und auf seinen Seiten Erklärungen von Ali Khamenei veröffentlicht, in denen er die Shoah als "Märchen" bezeichnet. Benz stellt sich damit in eine Reihe mit dem Rechtsextremisten Alfred Mechtersheimer, dem Ahmadinejad-Berater Mohammad-Ali Ramin oder dem ehemaligen NPD-Funktionär Andreas Molau.

Benz erkennt Antisemitismus nicht einmal, wenn man ihn direkt darauf stößt. Vor kurzem konnte man ihn in einer 3sat-Sendung vor einem Plakat dänischer Künstler bewundern, auf dem ein "Jerusalem Post"-

Korrespondent als "Stürmer"-Journalist und also als Nazi gebrandmarkt wurde. Benz erklärte vor laufender Kamera, das habe mit Antisemitismus nichts zu tun, was seiner akademischen Reputation kein bisschen geschadet hat.

Das ist Vergangenheitsbewältigung 2010: Dem Nationalsozialismus begegnet man mit begriffloser Geschichtswissenschaft; zugleich plaudert man mit Unterstützern des Antisemiten-Regimes in Teheran und sagt ihnen genau das, was sie zur Behübschung der iranischen Vernichtungsdrohungen gegen Israel hören wollen: "Antisemitismus ist grundsätzlich etwas anderes als Antizionismus."

Benz sprach in Wien über "die Welt der nationalsozialistischen Zwangslager". Sicher ein wichtiges Thema. Warum aber wird einer, der sich einem Vorposten des iranischen Holocaustleugner-Regimes als Gesprächspartner zur Verfügung stellt, als Redner für eine "Wiesenthal Lecture" eingeladen? Aber vielleicht nutzt Benz ja die Gelegenheit, um einer für solches stets empfänglichen Öffentlichkeit zu erklären, dass Wiesenthal heute ganz sicher ein "Islamophobie"-Jäger wäre, der "Recht, nicht Rache" für die namen- und zahllosen Opfer der völlig ungerechtfertigten Kritik des islamischen Djihadismus einfordern würde.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Uni Wien.