- © Foto: Foto Wilke / Foto Wilke
© Foto: Foto Wilke / Foto Wilke

Der Hunger in Ostafrika löst den Helfer-Reflex aus. Europa bettelt, sammelt, organisiert. Wir spenden ein bisschen Nahrung und ein paar Decken, als wäre der Hunger eine seltene Naturgewalt. Dabei vergessen wir, dass eine Milliarde (!) Menschen mangel- oder unterernährt sind, hungern und verhungern. "Hunger ist kein Schicksal", titelten schon Kampagnen in den 1980er Jahren, "Hunger wird gemacht."


Links
Spenden für die Opfer der Dürrekatastrophe in Ostafrika
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Beispiel Klimapolitik: Jeder Euro, der präventiv in die Klimawandelanpassung und Katastrophenvorsorge investiert wird, spart laut Experten vier Euro für Katastrophenhilfe. Nahrungsmittel produzieren zu können oder nicht - wie in der sich ausbreitenden Sahelzone - entscheidet über Leben und Tod. Trotzdem werden Ratifizierungen internationaler Abkommen verschleppt, Beschlüsse vereitelt, effektive Eindämmung des Klimawandels auf die lange Bank geschoben.

Beispiel Agrarpolitik: Europas Agrarpolitik berührt in vielen Punkten die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern. Hoch subventionierte Lebensmittelexporte ruinieren lokale Produzenten und Märkte, der Futtermittelanbau für unser Mastvieh beansprucht große Flächen an fruchtbarem Land in armen Ländern, eine diskriminierende Handels- und Zollpolitik entzieht Entwicklungsländern jegliche Selbstbestimmung über die Ernährung ihrer Bevölkerung.

Beispiel Entwicklungspolitik: Alle paar Jahre gibt es ein Bekenntnis zur Bekämpfung von Armut und Hunger, doch es wird kaum in die Unterstützung kleinbäuerlicher Strukturen investiert, nicht in die Menschen, nicht in die Produktion von Lebensmitteln. Österreich reduziert jährlich seinen Anteil an direkter programmierbarer Hilfe an Entwicklungsländer. Der Auslandskatastrophenfonds fungiert als Portokassa für diplomatische Agenden.

Zugang zu angemessener Ernährung ist jedoch ein Menschenrecht. Es ist festgeschrieben in der UNO-Resolution 217 A (III) sowie im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Im UNO-Sozialausschuss 1999 wurden daraus Verpflichtungen für die Vertragsstaaten abgeleitet. Dazu gehört "die Pflicht, unter Mobilisierung aller Ressourcen in fortschreitender Weise den Zugang zu Nahrung für alle zu gewährleisten".

Dieser Pflicht hat Österreich nachzukommen - immerhin sitzen wir im UNO-Menschenrechtsrat! Sie beinhaltet zwei Komponenten:

Menschenrechte sind universell und unteilbar: Alle Politikfelder müssen darauf abgestimmt werden, sie zu erfüllen.

Humanitäre Hilfe ist ein ethischer Imperativ: Österreich muss sich an der Linderung der akuten Not beteiligen.

Die österreichische Bevölkerung tut dies mit großzügigen Spenden. Die Republik hat bisher lediglich 700.000 Euro eingebracht (170.000 Euro tragen Bundesländer bei).

Von der "Mobilisierung aller Ressourcen" ist Österreich also noch weit entfernt. Von der Erfüllung seiner Pflicht auch. Und von der Humanität ganz zu schweigen.

Petra Navara ist Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe (www.globaleverantwortung.at).

Dieser Gastkommentar gibt ausschließlich die Meinung des betreffenden Autors wieder und muss sich nicht zwangsläufig mit jener der Redaktion der "Wiener Zeitung" decken.