Jurrien Westerhof ist Energiesprecher von Greenpeace Österreich.
Jurrien Westerhof ist Energiesprecher von Greenpeace Österreich.

Nur allzu oft wird im Zusammenhang mit Österreich die Phrase von der Insel der Seligen bemüht, so auch beim Thema Atomkraft. Nicht ganz zu Unrecht. Immerhin hat Österreich kein einziges aktives AKW. Der fast schon fertige Atommeiler in Zwentendorf ging ja nach der Volksabstimmung nie in Betrieb. Doch Österreich ist keine Insel, und somit landet über den Europäischen Netzverbund Atomstrom aus den Nachbarländern auch bei uns in den Steckdosen. Und das nicht zu knapp: Sechs bis sieben Prozent rechnet die Aufsichtsbehörde E-Control vor, Schätzungen von Greenpeace und Global 2000 gehen von noch mehr aus. Aber so einfach ist das gar nicht festzustellen. Im Wissen, dass sich das Image der Atomkraft hierzulande - speziell nach Fukushima - nicht gerade verbessert hat, machen einige Energieversorger ein gut gehütetes Geheimnis aus ihren Importen. Dass laut einer Umfrage 80 Prozent der Österreicher gegen den Handel mit Atomstrom durch heimische Energieversorger sind, erhöht wenig überraschend auch nicht die Transparenzbereitschaft.

Folgt man der Frage, wieso österreichische Energieversorger Atomstrom im Mix haben - die Kärntner Kelag sogar 23 Prozent -, landet man unweigerlich an der Strombörse. Dort wird im großen Stil "Graustrom" unbekannter Herkunft billigst gehandelt - Atomstromanteil von 35 Prozent inklusive.

Fragt man nach, wo der Atomstrom in Österreich hingeht, landet man in erster Linie bei Pumpspeicherkraftwerken und der stromintensiven Industrie, seltener schon bei Haushalten. Diesbezüglich sorgt die Geschäftspraxis der Verbund AG für ein Aha-Erlebnis. Während der Verbund unter dem Namen "H2Ö" den Privatkunden sauberen Strom aus Wasserkraft anbietet, verkaufen die Verbund-Töchter Trading und Sales günstigen Atomstrom an die Großindustrie. Zum Drüberstreuen wird preisgünstiger Atomstrom in die "Atomstrombatterien", auch bekannt als Pumpspeicherkraftwerke, gepumpt. Von dort wird er zu Spitzenzeiten als hochpreisiger Strom wieder eingespeist.

Dabei liegt die Lösung schon auf dem Tisch: Ein Atomstromimportverbot würde dazu führen, dass wir Österreicher der Atomlobby endgültig die Unterstützung entziehen. Aber wie soll dieses Verbot umgesetzt werden? Schließlich können und wollen wir ja nicht einfach die Leitungen an der Grenze kappen. Das ist auch gar nicht nötig. Die Bundesregierung muss nur einen Zeitpunkt festlegen, ab wann nach Österreich kein Atomstrom mehr fließen darf. Dann müssen Energieversorger, die Strom liefern wollen, ihre Kraftwerke zertifizieren lassen, um nachweisen zu können, dass ihr Strom nicht aus Atomkraft stammt. Das System gibt es bereits für Ökostrom und Wasserkraft - die Umsetzung ist also kein Problem.

Wenn Österreich - ein bisher durchaus lukrativer Absatzmarkt für Atomstrom - diesen mutigen Schritt setzt, würde dies die Investitionssicherheit für den Neubau von AKW im benachbarten Ausland massiv untergraben. Und Europa würde ein Stück weit sicherer werden. Errichten wir doch gemeinsam auf der Insel der Seligen einen Leuchtturm mit europaweiter Strahlkraft.