Werner Stanzl ist Publizist und Dokumentarfilmer.
Werner Stanzl ist Publizist und Dokumentarfilmer.

Weil es den Menschen nicht gegeben ist, das Morgen zu überschauen, findet sich das wichtigste Anliegen der Menschheit nicht im Text der UNO-Menschenrechtscharta vom

10. Dezember 1948. Heute jedoch wissen wir: Als vordringlichstes Anliegen muss der Umgang mit der Umwelt für alle Mitglieder der Völkerfamilie so geregelt werden, dass die globale Selbstvernichtung zumindest hintan steht. So wichtig die Garantien für die Freiheit des Einzelnen auch sein mögen, sie schreien nach Ergänzungen im Sinn eines genormten Umweltschutzes. Schließlich handeln sie vom Recht der Milliarden - und zwar der lebenden und der nachkommenden. Also muss es heißen: Deine Umweltauflagen sind mein Menschenrecht, meine Umweltauflagen sind dein Menschenrecht.

Danach schreien die Fakten der Gegenwart: Der US-Amerikaner bläst scheinbar unbeirrbar 23,5 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf in den Himmel. Der Russe folgt in der Statistik mit 14, der Chinese weit abgeschlagen mit 3,1 Tonnen verhängnisvoller Klimaerwärmung. Damit wären nicht die bösen Buben von Peking, sondern die Haie zwischen Wall Street und Dallas die schlimmsten Umweltverbrecher der Gegenwart.

Nun reklamieren die USA, Klima und Stand der industriellen Entwicklung verzerrten die Statistik. Dem widerspricht allerdings der Vergleich der US-Werte mit jenen Europas nachhaltig: hier 8 Tonnen pro Bürger, dort mehr als das Dreifache. So wie in den USA gibt es auch bei uns in Europa Sommer und Winter, Heizung und Klimaanlage, Auto und Flugzeug - und im Vergleich zu Uncle Sam eine ganze Menge guten Willen. Letzterer gibt wohl den Ausschlag für den gewaltigen Unterschied.

Dazu kommt, dass angesichts der sozialen Schieflage der USA das Umweltverbrechen mehr als hierzulande eine perfide Anmaßung einiger Habender ist. In einer Art neuer Apartheid erheben sich diese allmächtigen Lobbyisten und wahren Law Maker ihres Landes über die restliche Menschheit. Und siehe da: Wir tolerieren dies, als wäre der notorische Missbrauch in Gewohnheitsrecht übergegangen.

Jeder westeuropäische Politiker gelobt bei der Rückkehr von einem China-Besuch zur Wahrung seines Ansehens, er habe das Thema Menschenrechte selbstverständlich angesprochen. Ähnlich müsste jeder Heimkehrer von einer US-Visite öffentlich schwören, er habe dem Gastgeber im Weißen Haus selbstverständlich die Heftmappe mit den Menschenrechten auf den Tisch geknallt. Freilich: Zuvor müsste der Umweltschutz universell genormt und in die Menschenrechtsakte aufgenommen werden.

Apropos universell: Zahlreiche islamische Staaten verweigern die Annahme dieses Grundrechtswerkes. Die Gleichstellung von Mann und Frau, die Religionsfreiheit und das Recht, die Religionszugehörigkeit nach Belieben aufzugeben oder zu wechseln, erschienen nicht akzeptabel (Kairo-Deklaration von 1990). Dies zum verständnisvolleren Umgang mit Integrationsvorbehalten, sollten sie am morgigen Welttag der Menschenrechte auffälliger sein als sonst.