Heidemarie Porstner ist Landwirtschaftsexpertin bei der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000.
Heidemarie Porstner ist Landwirtschaftsexpertin bei der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000.

Ostern steht bevor, und die Hühner sind voll im Einsatz. Eier müssen gelegt werden. Sie müssen Modell stehen für diverse Bilder zum Thema "Glückliche Hühner". Doch hinter den Kulissen liegt hier immer noch einiges im Argen für Legehennen und Mastgeflügel. Die Käfighaltung ist für Legehennen zwar seit 2009 in Österreich theoretisch verboten, praktisch gibt es sie aber auch hier noch immer in manchen Betrieben. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis auch das letzte Huhn zumindest aus dem Käfig befreit ist.

Aber wie erkennt man Käfigeier zu Ostern? Gekochte und gefärbte Eier müssen nämlich keine Kennzeichnung tragen. Und gerade zu Ostern werden auch noch viele Ostereier aus dem Ausland importiert. Zwar ist seit 1. Jänner 2012 die herkömmliche Batterie-Käfighaltung EU-weit verboten. Aber kaum trat das Verbot in Kraft, tauchten auch schon die ersten Verstöße dagegen auf. Viele Staaten haben illegalerweise noch gar nicht wirklich umgestellt, so auch Österreichs Nachbarländer Italien und Ungarn.

Um nichts besser sieht es in der Mastgeflügelhaltung aus. Auch hier haben die Tiere kaum Luft zum Atmen, geschweige denn Platz für Bewegung. Die engen Haltungsbedingungen machen sie krank. Die Mäster, wie der Berufsstand so schön heißt, reagieren mit Antibiotika. Mit zu vielen, wie sich herausstellte, denn die Folgen werden jetzt auch publik. Antibiotika werden weit öfter und in höheren Dosen verabreicht als nötig. Eine präventive Behandlung ist zwar nicht erlaubt, aber wenn ein Tier oder einige wenige erkranken, wird trotzdem der gesamte Stall behandelt. Denn die Gefahr der Ausbreitung und der damit verbundenen Verluste sei zu groß, argumentieren die Produzenten. Tatsache ist, dass die Hühner durch die intensive Mast sehr anfällig für Erkrankungen sind.

Die Haltungsbedingungen machen aber nicht nur die Tiere krank, sie beeinträchtigen auch die Gesundheit der Konsumenten und nicht zuletzt die Umwelt. Als Global 2000 jüngst Testergebnisse zu antibiotikaresistenten Keimen in österreichischem Hühnerfleisch veröffentlichte, reagierten Ministerien und Behörden ausweichend. Die Problematik sei bekannt, doch man wollte bisher nicht öffentlich darüber diskutieren.

Dabei sind die Keime unter dem Mäntelchen des Schweigens gar nicht gut aufgehoben. Sie bilden sich in den beengten Ställen besonders gut und werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Die Folgen können beachtliche gesundheitliche Konsequenzen sein (schwere Infektionen, Blutvergiftung etc.). Solche Infektionen sind immer schwieriger zu behandeln, da viele Antibiotika hei nicht mehr greifen. Die Keime haben sich angepasst und können die Wirkung der Antibiotika ausschalten. Auch dass Ärzte seit Jahren darauf hinweisen, wurde bisher anscheinend gerade einmal "zur Kenntnis genommen".

Der einzige Weg aus der Misere ist eine Umstellung des Systems und ein Umdenken in der Agrarpolitik: weg von Massentierhaltung und Massenproduktion hin zu einer vernünftigen, nachhaltigen Wirtschaftsweise. Einmal ehrlich: Wie viele bunte Eier essen Sie wirklich zu Ostern?