Hans Pechar ist Leiter des Instituts für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung an der Universität Klagenfurt. - © Foto: Foto Wilke
Hans Pechar ist Leiter des Instituts für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung an der Universität Klagenfurt. - © Foto: Foto Wilke

Ist eine "Tetschn" ein "Klaps" oder doch eine "Watsche"? Und wie verhält sie sich zur "Backpfeife" oder zur "Maulschelle"? Fragen dieser Art beschäftigen Österreichs Öffentlichkeit, seit der Kärntner FPK-Obmann Uwe Scheuch - "ich sage das, wie ich es mir denke" - dargelegt hat, was er unter stärkeren "Durchgriffsrechten" für Lehrer im Umgang mit den "pubertierenden Damen und Herren" versteht. Mit theoretischen Erörterungen alleine sei es nicht immer getan, meinte Scheuch, es bedürfe auch praktischer Handreichungen. "A klane Tetschn" würden Kinder und Jugendliche durchaus vertragen. "Wir sind alle so groß geworden und aus uns allen ist etwas geworden." Zum Beispiel Bildungslandesrat in Kärnten.

Es ist immer erfrischend, wenn ein freiheitlicher Politiker sagt, was er denkt. Doch die geschliffene Rhetorik eines Uwe Scheuch wird wie üblich fehlinterpretiert. In den Medien bläst die linkslinke Jagdgesellschaft zum Halali und unterstellt ihm Befürwortung körperlicher Gewalt in der Erziehung. Auch der politische Gegner findet, Scheuch hätte nun lange genug am Watschenbaum gerüttelt und möge sich von den politischen Ämtern zurückziehen.

Beruhigend, dass immerhin die eigenen Reihen dicht geschlossen sind. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, auch er ein Meister feiner sprachlicher Nuancen, ortet ein "semantisches Missverständnis". Man habe den Begriff "Tetschn" als "Watsche" interpretiert, dabei habe Scheuch doch einen "Klaps" gemeint, und dieser sei bekanntlich eine spezielle Form der liebevollen Zuwendung. Ob sich der Kärntner Bildungslandesrat demnächst als Vertreter der Kuschelpädagogik outen wird?

Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist da die Verteidigungsrede des tief im Brauchtum verwurzelten Kärntner Landeshauptmanns. Viel Zuspruch aus der Bevölkerung habe es zu Scheuchs Aussage gegeben. Auch Gerhard Dörfler ist selbstredend gegen jede Art von Gewalt in der Erziehung. Aber eine "gesunde Watsche", vor allem die "Watsche unter Männern", sei doch um Himmels willen keine Züchtigung. Er selbst hätte in der Schule viele davon erhalten und sie alle verdient. "Keine davon hat mir geschadet." Möglicherweise erklärt das die hohe Dichte an Watschengesichtern unter freiheitlichen Politikern.

Vielleicht könnte ein kleines Gedankenexperiment auch im rechtspopulistischen Lager einen Reflexionsschub bei der Bewertung der pädagogischen Praktiken unserer Altvorderen auslösen. Zu der Zeit, als Dörfler seine "gesunden Watschen" freudig entgegennahm, gab es ja noch andere Vorkommnisse im Erziehungsbereich, die man damals ohne viel Aufhebens als ganz selbstverständlich hinnahm. Zum Beispiel sexuelle Übergriffe in Erziehungsheimen, vor allem denen der Kirche. Was wäre gewesen, wenn eines dieser Kinder damals geredet hätte, sich an die Eltern oder gar an die Öffentlichkeit gewandt hätte? Man hätte damals keine Opferschutzkommission eingerichtet, sondern mehrere "gesunde Watschen" verabreicht. Aber nicht dem Täter, sondern dem Opfer.