Martina Madner ist Journalistin und Moderatorin.
Martina Madner ist Journalistin und Moderatorin.

Für viele Frauen stellt sich die Frage: Was geht die Volksbefragung zum Heer uns an? Schließlich gibt es die Wehrpflicht und den Zivildienst als Wehrersatzdienst nur für Männer. Frauen steht die Arbeit als Soldatin seit einigen Jahren offen, sie können freiwillig zum Heer gehen, wenn sie wollen. Trotzdem sind im Jahresschnitt aktuell nur rund zwei Prozent der beim Heer Beschäftigten weiblich. An der Bezahlung dürfte es nicht liegen: Schließlich liegt der Verdienst beim Heer im Schnitt bei 38.156 Euro im Jahr. Als Angestellte verdienen Frauen in Österreich mit 36.491 Euro weniger und als Arbeiterin sogar nur 21.648 Euro im Jahr. Als Soldatin wird man also nicht reich, am unteren Ende der Einkommensspanne wird man sich aber auch nicht wiederfinden. Der Grund, warum sich so wenige Frauen für eine Karriere beim Heer entscheiden, dürfte also in den nicht gerade frauenfreundlichen Strukturen liegen. Eine Studie zeigte, dass die Organisationskultur beim Heer von sehr "maskulinen" Werten geprägt ist, die traditionelle Rollenmuster vom starken Mann und der zu beschützenden Frau verstärken. Was in der Praxis durchaus dem Macho in seinem Verhalten entgegenkommt. Frauen sind beim Heer einem dreimal größeren Mobbingrisiko ausgesetzt als Männer. Da braucht es nicht einmal so sexistische Ausreißer wie den Werbespot vor rund drei Jahren, bei dem die Bundesheer-Marketingabteilung junge Frauen, die "mit große Dinger fahren" wollen, präsentierte, die lieber mit einem Panzer- als einem Autofahrer auf Spritztour gehen. Dass sich Frauen von diesem "Heer4you"-Spot nicht als Personalpotenzial angesprochen fühlen, wenn sie zu Soldaten-Groupies degradiert werden, verwundert kaum. Es zeugt vielmehr von einer Geisteshaltung, die Frauen abschrecken soll und sich staatlich Bedienstete nicht leisten können sollten. Der Spot wurde übrigens erst vom Verteidigungsminister und nicht schon von den Verantwortlichen beim Heer aus der Kampagne entfernt - der Spot sei "so deppert", dass er "schon wieder genial" sei, wurde damals ein Oberst aus der Marketingabteilung zitiert.

Mit einem Profiheer sind solche Probleme nicht automatisch gelöst. Aber: Der Frauenanteil steigt in einem Heer auf freiwilliger Basis. In Schweden liegt er bereits bei mehr als 15 Prozent, obwohl die Wehrplicht erst Mitte 2010 ausgesetzt wurde. In Deutschland wurde sie Mitte 2011 ausgesetzt, und der Frauenanteil bei den neu aufgenommenen Zeitsoldaten liegt bei 16 Prozent. Die Strukturen verändern sich, Frauen werden nicht mehr nur in klassischen Frauenbereichen eingesetzt. Im Gegenteil: Sie müssen für alle Bereiche umworben werden. Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, das nützt allen Soldaten und Soldatinnen. Und ein Schaden fürs Heer sind mehr Frauen keinesfalls: Es ist aus anderen Bereichen vielfach belegt, dass gemischte Teams von Männern und Frauen effizienter und erfolgreicher arbeiten.