Am Abend des 22. Jänner 1963 unterschrieben in Paris der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag. Damit legten sie den Grundstein für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen. Bis heute ist die Verbindung Berlin-Paris eine der Säulen der Europäischen Union.

Schon in den 1920ern hatte Adenauer, damals Kölner Oberbürgermeister, versucht, geistige Brücken über den Rhein zu den Erbfeinden zu schlagen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges - und 56 Millionen Kriegstoten - erklärte Winston Churchill 1946 an der Universität Zürich: "Der erste Schritt bei der Neugründung der europäischen Familie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein." Und während sich 1950

die Länder Europas noch aus den Trümmern des Krieges gruben, schlug Frankreichs Außenminister Robert Schuman die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vor. Deren Mitglieder sollten ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen, um einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland "nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich" zu machen. Angeregt hatte dies der französische Regierungsberater

Jean Monnet, der für seine Verdienste 1976 der erste europäische Ehrenbürger wurde. Auch die realpolitische Umsetzung folgte Monnets Vorstellungen. In Schumans Plan heißt es: "Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung. Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen." Noch heute treffen die politischen Eliten so ihre Entscheidungen und vermeiden langatmige Verfassungsdiskussionen. Die rasche Umsetzung schafft eine Dynamik der kleinen Schritte von nachhaltiger Bedeutung. Kritiker nennen dies demokratisch bedenklich. Für die deutsch-französische Achse hieß es aber, dass durch verpflichtende, regelmäßige Konsultationen, wechselseitigen Kulturaustausch und ein umfassendes Jugendprogramm die neue Partnerschaft der beiden Rivalen zu einem einzigartigen Modell der Versöhnung wurde. Und obwohl in der Finanzkrise das deutsch-französische Verhältnis getrübt ist, halten Kanzlerin Angela Merkel und Präsident François Holland die Vereinbarungen des Élysée-Vertrags in Ehren. Zum 50-jährigen Jubiläum halten das deutsche Parlament und die französische Assemblée nationale in Berlin eine gemeinsame feierliche Sitzung ab. Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU meinte der EU-Parlamentarier, frühere EU-Parlamentspräsident und nunmehrige Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering: "Mit der Gründung der EU haben wir die allerwichtigste Lehre aus der Geschichte Europas gezogen und Europa als eine Rechtsgemeinschaft begründet. In Europa hat heute nicht die Macht das Recht, sondern das Recht die Macht." Damit die Macht auch wirklich vom EU-Volk ausgeht, müssen innereuropäische Entscheidungsprozesse demokratischer werden. Das wäre für die Erbfreunde Deutschland und Frankreich eine lohnende Aufgabe.