Christian Lukner ist Regierungsdirektor im Bundesumweltministerium Bonn, wo er für das Fachgebiet Endlagerplanung zuständig war, und hält derzeit Vorlesungen über nukleare Entsorgungsmethoden und Endlagermanagement.
Christian Lukner ist Regierungsdirektor im Bundesumweltministerium Bonn, wo er für das Fachgebiet Endlagerplanung zuständig war, und hält derzeit Vorlesungen über nukleare Entsorgungsmethoden und Endlagermanagement.

In Deutschland hat ein neues Zeitalter begonnen, nachdem das geplante Endlager für hochradioaktive Abfälle in Gorleben nun endgültig vom Tisch zu sein scheint. 30 Jahre dauerte der Streit um den niedersächsischen Standort und kostete rund 1,6 Milliarden Euro. Wo soll der ganze Atommüll aber jetzt hin? Der eingeleitete Atomausstieg dürfte die Menge in den nächsten Jahren sogar noch erhöhen. Bund und Länder haben sich politisch darauf verständigt, einen neuen Standort zu suchen. Das Wo und Wie ist in einem Gesetzentwurf geregelt, den der deutsche Bundestag schon Anfang Juli verabschieden soll.

In Deutschland sind schon seit Jahren geologische Formationen bekannt, die für die Endlagersuche in Frage kommen könnten. Dazu gehören kristalline Wirtsgesteine (etwa Granit) ebenso wie Tongebiete. Was die Region betrifft, sind vor allem kristalline Gesteinsformationen, wie in Sachsen und Ostbayern, zu erwähnen. Die ziemlich weit verbreiteten Tongesteinsformationen konzentrieren sich auf ausgewiesene Teilbereiche von Baden-Württemberg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und eingeschränkt auf Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Alle diese Formationen wären in einem "offenen Suchprozess" zumindest näher zu prüfen (nach dem Prinzip der "weißen Karte"). Zwei Standorte sollen nach dem neuen Gesetz untertägig erkundet werden.

Die damalige Auswahl von Gorleben muss immer auch aus dem Blickwinkel des damaligen begrenzten technischen Wissens beurteilt werden. Es ist einfach, den damals Verantwortlichen ihre falschen Entscheidungen vorzuhalten.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich unser technologisches Wissen enorm weiterentwickelt. Das wird auch in Zukunft so sein, ob wir ein geologisches Endlager bauen oder ein Kurzzeitendlager, in dem die Abfälle für eine bestimmte Zeit - sagen wir 500 Jahre - eingelagert werden.

In jedem Fall erfordert die Durchsetzung anspruchsvoller Endlager- und Sicherheitsstandards sachkundiges Personal, wir müssen dafür sorgen, dass das kerntechnische Know-how erhalten bleibt, also genug Physiker und Ingenieure an unseren Hochschulen ausgebildet werden. Denn die Erledigung der Endlagerfrage wird sich über mindestens eine Generation hinziehen, und auch danach wird es Leute geben müssen, die etwas von Kerntechnik verstehen. So wie Erneuerbare Energien sollte auch das Thema Endlager von Schulen und Weiterbildungseinrichtungen aufgegriffen werden - das geht nur, wenn sich der Staat hier entsprechend einbringt.

Mit blankem Aktionismus oder bloßem Durchwinken des Endlagergesetzes kommen wir nicht weiter. Wir brauchen ein ganzheitliches Konzept, in dem alle Schritte der Entsorgungskette berücksichtigt werden. Dazu gehören auch moderne Verfahren wie die Umwandlung in nicht-strahlende Stoffe, auch wenn die Forschungen auf diesem Gebiet noch im Gange sind. Am Ende muss ein konkreter Endlagerstandort auf deutschem Gebiet stehen. Der "point of return" ist überschritten, jetzt gibt es kein Zurück mehr.