Präsidenten brauchen oft neue Energie und neue Talente, um ihre zweite Amtszeit aufzupolieren. US-Präsident George W. Bush entschied sich 2006 für ein solches Umkrempeln, und man kann sagen, dass es seine Präsidentschaft gerettet hat. Barack Obama befindet sich nun in einer ähnlichen Lage, und es sieht danach aus, dass er nach den Kongresswahlen im November einige personelle Veränderungen vornehmen möchte.

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".
Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Präsidenten wissen Loyalität zu schätzen, und nach der Veröffentlichung von Leon Panettas vernichtenden Memoiren diese Woche dürfte Obama besonders dankbar für gute Teamplayer sein. Es ist eine bittere Ironie, dass er nach seinem berühmten "Team der Rivalen" - mit starken, unabhängigen Persönlichkeiten wie Panetta, Robert Gates und Hillary Clinton - im Nachhinein von früheren Ministern in ihren Autobiografien kritisiert wird. Der nächste Präsident könnte dem Amtseid der Kabinettsmitglieder eine Nichtenthüllungsformel hinzufügen.

Obamas gegenwärtigem Team kann man mangelnde Loyalität nicht vorwerfen. Dennoch scheint er an einem Talentzufluss interessiert, wie bei seinem Sondergesandten für Irak und Syrien, General John Allen. Mehr davon könnte kommen, im Bemühen, die Bandbreite der US-Regierung zu erweitern. Die Vorteile, die eine Erneuerung bringen kann, zeigte Bushs zweite Amtszeit. 2006 lief es mit dem Irak-Krieg nicht gut, die USA waren gespalten, nicht immer wurden politische Entscheidungen umgesetzt.

Obamas außenpolitisches Team braucht Hilfe. Der nationalen Sicherheitsberaterin Susan Rice machen die unfairen Angriffe in Sachen Benghazi noch immer zu schaffen. Verteidigungsminister Chuck Hagel geht es wegen der harten Bestätigungsanhörung ähnlich. Außenminister John Kerry setzt sich unermüdlich für Obamas Politik ein, aber zwischen einem starken Minister und einem zentralisierenden Weißen Haus kommt es unausweichlich zu Spannungen.

CIA-Chef John Brennan ist ein erfahrener Arabist, der in der Lage ist, Strategien für den Nahen Osten zu gestalten, aber ihm macht eine verhängnisvolle Auseinandersetzung mit Dianne Feinstein, der Vorsitzenden des Geheimdienstkomitees, zu schaffen.

Beaufsichtigt wird Obamas Team von Stabschef Denis McDonough, dessen großer Vorzug seine Nähe zum Präsidenten ist. Diese kann aber auch ein Fehler sein. Eine Schlüsselberaterin ist Valerie Jarrett, deren Rolle bei politischen Entscheidungen mysteriös, aber zweifellos bedeutend ist. Ihr Status als "First Friend" mag für Obama beruhigend sein, kann die Grenzen der Autorität jedoch ausfransen.

Die Verfassung erlaubt Obama nicht, Vizepräsident Joe Biden zu feuern, auch nicht nachdem sich der ewig-geschwätzige Biden vorige Woche in eine Krise mit der Türkei hineingeredet hat, die eine peinliche Entschuldigung nötig machte.

Obama hat die richtige Grundstrategie für die IS-Terrormiliz und viele andere Probleme. Aber er weiß auch, dass seine Regierung neues intellektuelles Kapital braucht, um seine Politik erfolgreich umzusetzen. Während seiner letzten beiden Jahre im Amt muss Obama Gas geben, nicht bremsen.

Übersetzung: Redaktion