Kurz vor dem Anschlag war ich mit meiner Tochter noch Skifahren, als ganz normale, österreichische Familie. Meine Tochter stand das erste Mal auf Skiern und sie liebte es. Nun, nach dem grausamen Anschlag in Paris auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo", wirken der Schnee, die Berge und das Gefühl "typisch-österreichisch" zu sein, so weit entfernt. Denn heute werden mein Glaube und damit ein Teil meiner Identität wieder in einem Atemzug mit Terror genannt. Das habe ich Kreaturen zu verdanken, die sich selbst Muslime nennen.

Dudu Kücükgöl ist studierte Wirtschaftspädagogin und Vorstandsmitglied der Muslimischen Jugend Österreichs (MJÖ). Ihr Gastkommentar erschien auf www.dasbiber.at. - © Katharina Roßboth
Dudu Kücükgöl ist studierte Wirtschaftspädagogin und Vorstandsmitglied der Muslimischen Jugend Österreichs (MJÖ). Ihr Gastkommentar erschien auf www.dasbiber.at. - © Katharina Roßboth

Es ist nicht leicht Worte zu finden in Anbetracht einer solch bizarren Grausamkeit. Mein aufrichtiges Beileid gilt den Opfern dieses Anschlags und ihren Familien wie Freunden - aber auch uns allen als Menschen und Europäerinnen und Europäern. Viele Menschen und - vor allem und ganz besonders - Musliminnen und Muslime sind schockiert, traurig und unglaublich wütend über diese abscheuliche Tat.

Die Monster, die dieses Massaker zu verantworten haben, gaben nämlich vor, damit "den Propheten zu rächen" und riefen: "Gott ist groß". Die Ermordung von wehrlosen Menschen kann niemals etwas sein, das unseren Propheten Muhammad ehrt oder Gott groß macht. Dieser Akt ist eine Pervertierung unserer Religion und kann niemals religiös begründet werden.

Seit Beginn seiner Berufung war der Prophet Muhammad massiven Anfeindungen ausgeliefert, die auch Erwähnung im Koran finden. Hätten die Mörder ihn gelesen, wären ihnen die Stellen aufgefallen, in denen der Koran erzählt, dass die Mekkaner den Propheten als "Besessenen" und "Verrückten" beschimpften.

Gott versicherte dem Propheten Muhammad daraufhin lediglich Seines Beistands und tröstete ihn - mehr nicht! Öffentlich vorgetragene "Schmähgedichte", wie sie damals üblich waren, sind bestimmt vergleichbar mit den heutigen Karikaturen. Sie schöpfen ihre Kraft und Bekanntheit lediglich aus der Erregung der Empörten und sind harmlos, wenn sich niemand provoziert fühlt.

Diese Barbaren unterstützen mit ihrem Gewaltakt in Frankreich aktuelle, islamfeindliche Argumentationsmuster und liefern Munition für alle, die Musliminnen und Muslime nicht als Teil Europas sehen wollen. Wenn also morgen wieder Moscheen brennen und Frauen attackiert werden, so haben diese Mörder einen weiteren Beitrag dazu geleistet und unser Zusammenleben einmal mehr gefährdet.

Wir dürfen als Gesellschaft nicht zulassen, dass wir gegeneinander aufgehetzt werden. Mehr denn je müssen wir zusammenhalten und näherrücken.

Dieser Anschlag auf "Charlie Hebdo"gilt nicht nur den unmittelbar Betroffenen, sondern uns allen, die an ein friedliches Zusammenleben, die Demokratie und die Menschenrechte glauben.