6. Unterstützung einer alternativen, solidarischen Gesellschaft. Unterstützung des nicht-gewinnorientierten kooperativen Wirtschaftssektors durch Subventionen, Steuerbefreiungen und Gesetzgebung. Zu diesem allerorts immer wichtiger werdenden Sektor gehören unter anderem alternative Konsum- und Produktionsgenossenschaften und Netzwerke für eine grundlegende Gesundheitsversorgung, gemeinschaftliches Wohnen, Kredite, Bildung oder künstlerische Tätigkeiten.

7. Optimierung von Gebäudenutzung. Baustopp für neue Häuser zugunsten der Sanierung  vorhandenen Wohnraums und der Förderung der Vollbesetzung von Häusern, z. B. durch sehr hohe Steuern auf leer stehende oder Zweithäuser. Gegebenenfalls die Ausweitung der Maßnahmen bis hin zu einer sozialen Enteignung leer stehender Gebäude privater Investoren.

8. Reduktion von Werbung. Etablierung von Einschränkungskriterien für Werbung im öffentlichen Raum, angelehnt an das Beispiel der Stadt Grenoble. Die Einrichtung von Komitees zur Qualitäts- und Quantitätskontrolle von Werbung in den Massenmedien.

9. Einrichtung von ökologischen Obergrenzen. Einführung absoluter und abnehmender Obergrenzen für den Gesamtausstoß an CO2 und die Gesamtmenge an verbrauchten natürlichen Ressourcen. Diese gelten auch für die bei der Herstellung importierter Produkte entstandenen Emissionen und verbrauchten Rohstoffe.

10. Abschaffung des Bruttoinlandprodukts als Indikator für wirtschaftlichen Fortschritt. Da es sich bei dem Bruttoinlandsprodukt um einen irreführenden Indikator handelt, sollen andere Maße für Wohlstand und Lebensqualität verwendet werden. Statistiken über Geld- und Steueraufkommen können gesammelt und genutzt werden, wobei Wirtschaftspolitik nicht nach BIP-Richtwerten formuliert werden soll. Eine Debatte über die Form von Wohlstand und Lebensqualität muss angestoßen werden, wobei im Mittelpunkt stehen sollte, was gemessen werden sollte, und nicht wie.

Diese Vorschläge ergänzen einander und müssen in ihrer Gesamtheit umgesetzt werden. So könnten beispielsweise ökologische Höchstgrenzen das Wachstum reduzieren, aber auch Arbeitslosigkeit erzeugen. Eine Arbeitsplatzteilung zusammen mit einem Grundeinkommen würde hingegen die Schaffung von Arbeitsplätzen und sozialer Sicherheit vom Wirtschaftswachstum entkoppeln.

Die Umverteilung von Investitionen von "schmutzigen" zu "sauberen" Aktivitäten und die Reform des Steuersystems würden für die Entwicklung einer grüneren Wirtschaft sorgen, während die Abkehr vom BIP als Wohlstandsindikator und die Anwendung von anderen Messinstrumenten sicherstellen könnte, dass dieser Übergang ein Erfolg wird.

Schließlich wird die veränderte Besteuerung und Kontrolle von Werbung, den positionellem Wettbewerb in der Bevölkerung entspannen und die Frustration reduzieren, die mit einem Ausbleiben von Wachstum einhergeht. Investitionen in Gemeingüter (Commons) und geteilte Infrastrukturen würden ohne Wachstum den Wohlstand steigern.

Wir erwarten nicht, dass linke Parteien sich "Degrowth" auf die Fahnen schreiben. Wir verstehen die Schwierigkeiten, die es bringt, wenn plötzlich eine allgemeingültige Denkweise in Frage gestellt wird. Was wir jedoch von den neuen Linken erwarten, sind Schritte in die richtige Richtung und politische Maßnahmen im Sinne der oben aufgeführten, unabhängig von ihren Auswirkungen auf das Wachstum. Ebenso erwarten wir von den neuen Linken, sich vom Wirtschaftswachstum als Zielsetzung langsam aber sicher zu lösen. Und wir erwarten von ihnen, bereit zu sein, und Ideen und Vorschläge parat zu haben, falls die Wirtschaft sich weigert zu wachsen. Das ist keine einfache Leistung, aber die Linke war noch nie dazu bestimmt, den einfachen Weg zu gehen.

Giorgos Kallis ist Mitglied der akademischen Vereinigung "Research & Degrowth". Er ist ein Umweltwissenschaftle, der zu ökologischer Ökonomie, politischer Ökologie und Wasserpolitik arbeitet.

(Aus dem Englischen übersetzt von Svenja Häger, Eleonora Brose und Christian Kerschner)