Johann Jachs ist Generalsekretär des Austrian Chapter des Club of Rome mit Sitz in Wien (www.clubofrome.at).
Johann Jachs ist Generalsekretär des Austrian Chapter des Club of Rome mit Sitz in Wien (www.clubofrome.at).

Der Club of Rome ist - unter anderem - bekannt durch die Veröffentlichung des Berichtes "Die Grenzen des Wachstums" im Jahr 1972, einer Prognose über (exponentielles) Wachstum der Industrialisierung, der Ausbeutung von Rohstoffen, der Bevölkerung, der Unterernährung und der Umweltverschmutzung sowie deren Begrenzungen.

Die ersten Monate des Jahres 2015 hätten abwechslungsreicher nicht sein können: Anfang Jänner zeigte das Thermometer im Mostviertel 15,2 Grad. Der ORF berichtete vom wärmsten Dezember, seit es Aufzeichnungen gibt. Das Wetter in Wien gleicht immer mehr dem Wetter in Rom - so wie es dort vor 20 Jahren war.

Ein Liter Diesel an der Diskont-Tankstelle kostet 1,15 Euro. Öl- und Strompreis haben sich in einem halben Jahr fast halbiert. Die Arbeitslosenrate in Österreich liegt bei knapp 10 Prozent, das sind fast 500.000 Menschen. Das Wirtschaftswachstum ist praktisch zum Erliegen gekommen, die Preise sind fast nicht gestiegen.

Ein Scharlatan und Schwarzseher wäre gewesen, wer diese Ereignisse zu Beginn des Vorjahres vorhergesagt hätte. Aber was wäre anders gewesen, wenn es diesen Schwarzseher gegeben hätte? Hätte es - wirkungsvolle - Reaktionen gegeben? In Politik und Wirtschaft? Hätten wir, die Bevölkerung, uns anders verhalten, wenn man uns das alles vorausgesagt hätte?

40 Jahre nach der Veröffentlichung des Berichtes an den Club of Rome "Die Grenzen des Wachstums" müssen wir feststellen, dass Prognosen, unabhängig ob sie positive oder negative Aspekte betreffen, nicht wahrgenommen werden, dass sie - scheinbar - ohne Bedeutung für unser Handeln sind.

Der Weltklimarat (IPCC - International Panel on Climate Change) liefert mit beeindruckender Regelmäßigkeit Aussagen über das Ansteigen von Temperatur und Meeresspiegel weltweit. Die Oesterreichische Nationalbank, das Wirtschaftsforschungsinstitut und das Institut für Höhere Studien wetteifern mit Vorhersagen über das Wirtschaftswachstum in Zehntel-Prozent. Der Klima- und Energiefonds prognostiziert in einer aktuellen Studie jährliche Mehrkosten in Höhe von bis zu 8,8 Milliarden Euro als Folgen des Klimawandels ("Coin - Cost of Inaction"). Oder erinnert sich noch jemand an den "Stern"-Report vom Oktober 2006, der in Sachen CO2 die Kosten des Handelns (Investitionen in die Vermeidung des CO2-Anstiegs) niedriger bezifferte als die Kosten des Nicht-Handelns?

Prognosen werden zur Kenntnis genommen, sie werden diskutiert oder ignoriert. Liegt es daran, dass die Prognosen ungenau, von geringer Tiefe und ungenauer Recherche sind? Oder liegt es daran, dass sie eben nur Prognosen sind (und gemäß einem Uralt-Scherz schwierig sind, weil sie die Zukunft betreffen)? In der Diskussion zeigt sich, dass es nicht unbedingt wichtig ist, recht zu haben. Im Vordergrund steht vielmehr, welche die Krisenthemen sind, die angesprochen werden, ob sie gesellschaftlich relevant sind und - das scheint besonders bedeutend zu sein - wie sie in der öffentlichen Diskussion, in den Medien aufgenommen werden. Prognosen sind eine Möglichkeit, ein Instrument, um wichtige Themen und Trends der Zeit anzusprechen, eben "zum Thema zu machen".