Medien überschlugen sich mit der Behauptung, es wäre völlig außergewöhnlich, dass nicht die SPÖ als stärkste Partei den Landeshauptmann in der Steiermark bekam, sondern die ÖVP als zweite.

Offensichtlich vergisst man auf Kärnten. Dort verlor die SPÖ 1989 die Absolute, blieb aber stärkste Partei. Die zweitplatzierte FPÖ und die ÖVP nutzten die Gelegenheit und wählten Jörg Haider zum Landeshauptmann. Dieser wurde 1991 nach seiner Behauptung, im Dritten Reich hätte es eine "ordentliche Beschäftigungspolitik" gegeben, vom Landtag abgewählt. Danach einigten sich die SPÖ und die drittplatzierte ÖVP auf deren Obmann Christoph Zernatto als Nachfolger. Noch turbulenter ging es nach der Landtagswahl 1994 zu: Nach diversen Parallelverhandlungen einigten sich der Erste (SPÖ) und der Dritte (ÖVP) erneut auf Zernatto.

Die damalige Kärntner Situation ist natürlich nicht ganz mit der heutigen in der Steiermark vergleichbar, in gewisser Weise aber sogar noch bemerkenswerter: Die ÖVP stellte als drittstärkste Partei acht Jahre lang den Landeshauptmann - natürlich aus durchaus nachvollziehbaren Gründen: 1989 wollte man nach jahrzehntelanger Übermacht einen SPÖ-Landeshauptmann loswerden. 1991 hätte die ÖVP den bürgerlichen Wählern nicht leicht erklären können, warum sie nach zwei Jahren wieder einem sozialdemokratischen Landeshauptmann zustimmt. 1994 war Haider einerseits immer noch nicht akzeptabel, andererseits hatte die SPÖ nochmals deutlich verloren. Im Hinblick auf frühere (bessere) ÖVP-Wahlergebnisse meinte ihr damaliger Bundesparteiobmann Erhard Busek pointiert: "Wer am meisten verliert, wird Landeshauptmann."

Zum ersten Mal hat nicht die stärkste Partei den Landeshauptmann 1967 in Oberösterreich erhalten: SPÖ und ÖVP kamen auf je 23 Mandate, die SPÖ hatte etwas mehr Stimmen. Es wurde aber der ÖVP-Kandidat mithilfe der FPÖ gewählt. Das Gleiche mit umgekehrten Vorzeichen versuchte 1995 die SPÖ in der Steiermark. SPÖ-Chef Franz Vranitzky intervenierte aber dagegen. Schließlich wurde die ÖVP-Kandidatin Waltraud Klasnic mit den FPÖ-Stimmen gewählt.

Ein Pakt zur Wahl der Bürgermeister von Klagenfurt und Graz, 1973 geschlossen zwischen den Bundesparteichefs Karl Schleinzer (ÖVP) und Friedrich Peter (FPÖ), brachte der zweitplatzierten ÖVP den Stadtchef an der Drau (den sie 36 Jahre behielt) und der drittplatzierten FPÖ jenen an der Mur. Der lachende Dritte Alexander Götz brachte es sogar zum FPÖ-Bundesparteichef.

Im Burgenland (wo sonst?) gab es auch einen gescheiterten Versuch eines Zweitstärksten, den Landeshauptmann zurückzugewinnen. 1987 vereinbarte Landeshauptmannstellvertreter Franz Sauerzopf (ÖVP) mit der FPÖ seine Wahl zum Landeshauptmann. Im entscheidenden (geheimen) Wahlgang stimmte jedoch ein Abgeordneter für den SPÖ-Kandidaten Johann Sipötz. Damit blieb alles beim Alten.