Christian Ortner.
Christian Ortner.

Wer je in New York ein Hotelzimmer reserviert hat, weiß, dass dort auf den ausgewiesenen Preis noch happige 14,75 Prozent an Steuern aufgeschlagen werden. In vielen anderen Ländern wird das genauso gehandhabt: Angeschrieben wird, was der Verkäufer verlangt - was sich der Staat krallt, wird extra dazugerechnet.

Bei uns wäre das verboten, wie jüngst eine Gruppe von Hoteliers feststellen musste. Aus Ärger über die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen (von 10 auf 13 Prozent) wollten sie ihre Tarife netto angeben und à la USA die 13 Prozent extra aufschlagen - das ist aber nicht zulässig, dem Kunden muss der Bruttopreis inklusive aller Steuern offeriert werden.

Was wie eine unbedeutende und irrelevante Kleinigkeit erscheinen mag, ist aber von durchaus grundsätzlicher Bedeutung. Denn indem hierzulande die Steuern in allen Preisen sowie teils auch in Löhnen und Gehältern gut verborgen sind, wird den meisten Steuerzahlern gar nicht bewusst, wie enorm viel Geld sie an den Staat abdrücken. Was sehr im Interesse der Regierenden ist, die nicht zuletzt deshalb unterbinden, Preise netto anzuschreiben.

Im Interesse der viel strapazierten Steuerehrlichkeit wäre aber diese Form der Steuertransparenz durchaus wünschenswert. Dazu wäre zum Beispiel dienlich, den Preis eines Neuwagens vor Steuern anzugeben und dem Käufer einen Erlagschein in die Hand zu drücken, mit dem er Umsatzsteuer und Nova direkt ans Finanzamt abführt - das sind beim Kauf eins Neuwagens um 20.000 Euro (je nach Verbrauchskategorie) mindestens 4000 Euro, gegebenenfalls aber auch deutlich mehr.

Auch wenn sich die Steuerlast dadurch nicht ändert: Steuern eigenhändig zu überweisen, fühlt sich wesentlich unmittelbarer an, als sie einfach als Rechnungszeile ausgewiesen zu sehen. Dazu wäre auch hilfreich, bei kleineren Ausgaben zumindest den Nettopreis anzuschreiben und anschließend, für den Konsumenten deutlich sichtbar, die Mehrwertsteuer aufzuschlagen. Auch das führte zu einem geschärften Bewusstsein dafür, wie schwer die Steuerlast drückt.

Das gilt nicht nur für Preise, sondern auch für Arbeitseinkommen. Nur den wenigsten Beschäftigten ist bewusst, dass ihr Unternehmen für sie in erheblichem Maß Abgaben berappen muss, die auf der Gehaltsabrechnung nur mit Tarnkappe auftauchen. Deshalb merken sie natürlich nicht, dass schon bei Einkommen von 3000 Euro die Gesamtbelastung (also inklusive Arbeitgeberbeitrag, den ja auch der Arbeitnehmer erwirtschaften muss) mehr als 50 Prozent beträgt - und durch die vom verbleibenden Netto noch zu leistenden Konsumsteuern auf 60 Prozent und mehr steigt.

Auch hier gilt: Dem Arbeitnehmer seine Gage brutto zuzüglich der Arbeitgeberbeiträge auszuzahlen und ihn alle Steuern per Erlagschein oder Überweisung selbst vornehmen zu lassen, wäre ein höchst nützlicher Beitrag zur Steuertransparenz. Dass das im Alltag problemlos funktioniert, beweist die Schweiz, wo Bezieher höherer Gehälter in genau dieser Form Steuern zahlen.

Für den Staat wäre dies freilich riskant. Denn selbst dem stoischen österreichischen Steuerzahler stiege wohl gröberer Zorn hoch, würde ihm derart drastisch bewusst, wie viel er tatsächlich an den Staat abführt.