Wir, 14 und 15 Jahre alt, werden als Vorstandsmitglieder der weltweiten Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet / Pflanze-für-den-Planeten, gegründet 2007 vom damals 9-jährigen Deutschen Felix Finkbeiner, als offizielle Teilnehmer am 11. Weltjugendgipfel vom 26. bis 28. November teilnehmen. Dieser geht dem Weltklimagipfel vom 30. November bis 12. Dezember voraus. Der Gipfel wird weltweit mit Spannung erwartet, weil von ihm Durchbrüche in der Weltklimafrage erwartet werden. Wir Kinder und Jugendlichen wollen einen wichtigen Teil beitragen, weil wir es sind, die die Hauptfolgen der Klimakrise zu tragen haben – und sie letztlich auch lösen werden müssen.

Ariane Benedikter - © privat
Ariane Benedikter - © privat

Warum liegt heute immer mehr Kindern und Jugendlichen die Umwelt- und Klimafrage am Herzen?

Fast täglich hören wir Nachrichten, die mit Umwelt zu tun haben. Meist enthalten sie nichts Gutes, informieren über Katastrophen, die aufgrund des Klimawandels geschehen. In den letzten 100 Jahren ist die Erdtemperatur durchschnittlich um 0,7 Grad Celsius gestiegen. Dies bemerkt man an den abschmelzenden Polkappen und Gletschern, aber auch daran, dass die Meere immer wärmer werden und sich zum Beispiel in den bislang als vorbildlich geltenden Meeren rund um Sardinien mittlerweile viele Tropenfische eingenistet haben. Auch dort, wo das Meer smaragdgrün und hellblau schimmert, kommt es immer häufiger zu Verschmutzungen und bakteriellen Infektionen im Meer, was wie Gift für die dortige Artenvielfalt wirkt.

Giovanni Atzeni
Giovanni Atzeni

Als Reaktion auf diese und zahllose ähnliche Phänomene haben die Politiker beim diesjährigen G7-Gipfeltreffen versprochen, auf der Weltklimakonferenz im November in Paris einen Kompromiss zur Rettung der Umwelt zu finden. Dazu wurde international unter Führung des französischen Innenministers Laurent Fabius intensiv vorgearbeitet - und eine Einigung in mühsamer diplomatischer Kleinarbeit vorbereitet, die Fabius bereits im Juli als möglichen "Durchbruch" ankündigte.

Wir glauben aber schon jetzt, dass diese Einigung nicht ausreichen wird, um unsere Zukunft zu sichern. Wir denken nicht, dass wir, wenn wir auch nur in entfernt ähnlicher Weise so weitermachen wie bisher, in Zukunft in einer Welt wie dieser leben können. Wir glauben nicht, dass man im November in Paris einen Beschluss fassen wird, der die 2-Grad-Erwärmungsgrenze einhält, welche notwendig ist, um etwa das Grönlandeis zu erhalten und die Überschwemmung von 40% der Erde zu verhindern. Das Problem, die 2-Grad-Grenze einzuhalten, ist dabei ironischerweise nicht das Geld. Jedes Jahr geben wir 1750 Milliarden Dollar für militärische Zwecke aus, und die Börsen lassen in wenigen Tagen Milliarden Dollar in der Luft verpuffen. Um wichtige Entscheidungen auf diesem Gebiet treffen zu können, braucht es vor allem politischen Willen. Doch dieser fehlt trotz aller diplomatischen Anstrengungen noch immer weitgehend, da Berufspolitiker oft nicht den Mut haben, die Entscheidungen in der nötigen Klarheit zu fällen – was nicht unbedingt ihre Schuld, sondern auch entscheidend der Effekt eines internationalen Systems ist, das noch immer nicht in der Lage ist, die volle Verantwortung in der Umwelt- und Klimafrage zu übernehmen.

Aber es geht auch anders. Manche gehen mit mutigen Schritten voraus. Anfang August hat US-Präsident Barack Obama einen historisch höchst wichtigen Gesetzesentwurf zur Senkung der CO2-Emissionen in Amerika vorgestellt. Zugleich hat er aber auch den Plan der globalen Öl-Firma Shell genehmigt, in der Arktis vor den Küsten von Alaska in einem ökologisch hoch sensiblen Gebiet nach Öl zu bohren. Außerdem ist er dabei, die Vereinigten Staaten mittels umweltzerstörendem, extrem wasserintensivem "Fracking" zu einem der größten Ölproduzenten zu machen. Fortschritte, gemischt mit Widersprüchen und Rückschritten also allenthalben.

Wir leben in einer generell von Krisen geprägten Welt, in der die Umweltprobleme, gemeinsam mit der Armut, der schlimmste Teil sind. Als Reaktion werden einige über 18-jährige Botschafter für Klimagerechtigkeit von Plant-for-the–Planet / "Pflanze-für-den-Planeten" auf dem Erwachsenen-Klimagipfels in Paris vertreten sein. Wir als Kinder- und Jugendumweltschutzinitiative dagegen werden unsere Ziele, Ideen und Vorschläge auf der 11. Weltjugendklimakonferenz präsentieren und mit anderen 5000 Jugendlichen aus fast 100 Ländern verhandeln. Dass tausende Kinder und Jugendliche in Paris teilnehmen, ist eine wichtige Demonstration, dass auch wir noch nicht Erwachsenen nach einer Stimme in dieser unserer Meinung nach noch immer vernachlässigten Frage verlangen. Die Weltjungendklimakonferenz ist eine Gelegenheit, um erneut die Bedeutung der Kinder und Jugendlichen im langfristigen Kampf gegen die Klimakrise zu unterstreichen.

Wir fahren mit vielen Ideen nach Paris. Neben einem Stand mit Fair-Trade Schokolade von Plant-for-the-Planet, mit deren Erlös Landstücke aufgeforstet werden, möchten wir einen "Flashmob" zur Aufmerksamkeitssteigerung für die Klimafrage veranstalten. Wir wollen die "Billion-Tree-Campaign" sowie die Initiative "Climate Strike" für den 30. November vorstellen. Beim ersteren handelt es sich darum, Millionäre dazu zu motivieren, das Pflanzen von einer Milliarde Bäume zu finanzieren, beim zweiten darum, dass Kinder einen Tag nicht zur Schule gehen und anstelle dessen sich in von ihnen organisierten Konferenzen mit der Umweltzerstörung auseinandersetzen, um gegen die Untätigkeit in der Klimafrage zu protestieren. Darüber hinaus wollen wir Workshops für Kinder und Jugendliche abhalten und unser Manifest an die wichtigsten Politiker der Welt verteilen. In diesem Manifest befinden sich die Ideen, Forderungen und Resultate des 6-tägigen Youth Summits von Plant-for-the-Planet vom Mai 2015, der uns als Vorbereitung für die Weltjugendklimakonferenz gedient hat. Hauptideen des Manifests sind:

1. In Paris soll von den Erwachsenen ein umfassendes Klimaschutzsystem aufgebaut werden – damit sichergestellt wird, dass die Erwärmung um 2°C nicht geschehen wird.
2. Ebenso soll ein nachhaltiges Energiesystem aufgebaut werden.
3. Umweltbildung und –kooperation müssen stark verbessert werden.
4. Das globale Regieren soll im Bereich der Umwelt konkret beginnen.

Wir sind uns zugleich bewusst, dass auch beim Weltklimajugendgipfel nicht alles nur eitel Sonnenschein sein wird. Auch wenn wir diese Konferenz als riesige Chance für das Thema bei Kinder und Jugendlichen weltweit sehen, gibt es - wie fast unvermeidlich - auch dort Ungerechtigkeiten. Für Kinder und Jugendliche, die zur Konferenz aus reichen Ländern wie Europa oder den USA anreisen, spielt Geld eine nicht so große Rolle, auch deshalb, da uns die Unterkunft bezahlt wird. Doch wenn es dann um die Anreise von Kindern und Jugendlichen zum Beispiel Afrika oder Asien geht, können von diesen wegen der Kosten vor allem jene teilnehmen, die aus reicheren Familien stammen, obwohl diese Kinder nicht mehr motiviert sind als die Kinder aus ärmeren Familien. In den Arabischen Emiraten zum Beispiel bekommen die Eltern Geld vom Staat, der nur Öl produziert und sich selbst gar nicht um die Umwelt kümmert, damit sie die Kinder zu einer Konferenz wie dieser schicken, damit nach außen hin alles in Ordnung scheint. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall. Aber es gibt auch Länder und Provinzen, die auf der Weltjugendkonferenz vertreten sind, welche vorbildlich mit erneuerbaren Energien arbeiten: darunter Island mit 99%, und in Italien etwa Südtirol mit 70%.

Fazit?

Der Weltklima-Jugendgipfel ist trotz aller möglichen Kritiken, Grenzen des Einflusses und zu erwartenden Schwierigkeiten eine große Chance. Die Kinder und Jugendlichen der Welt sollten ihn nützen, um Bewusstsein zu bilden und konkrete Beiträge zu entwickeln. Wir werden unser Bestes zum Gelingen beitragen!