Christoph Badelt ist Rektor der Wiener Wirtschaftsuniversität.
Christoph Badelt ist Rektor der Wiener Wirtschaftsuniversität.

Es ist die Aufgabe von Universitäten, Themen in Forschung und Lehre aufzugreifen, die gesellschaftliche Relevanz haben, vor allem wenn der Bedarf besteht, die gesellschaftspolitische Diskussion mit wissenschaftlicher Expertise zu unterstützen. Gerade im ökonomischen und sozialen Bereich ist die Zahl der anstehenden Probleme in den vergangenen Jahren eher größer als kleiner geworden, weshalb der Wiener Wirtschaftsuniversität hier eine besondere Verantwortung zukommt.

Seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 stieg das Interesse an Fragen zu den sozialen Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen, wobei die Themen Gerechtigkeit, Gleichheit und Ungleichheit besonders stark in den Vordergrund traten. Die ökonomische Fachwelt hat erst relativ langsam auf diese sozialen Spannungsfelder in ihr Arbeitsprogramm integriert.

Die WU Wien reagiert auf das stark wachsende Interesse an Fragen zu ökonomischer, sozioökonomischer und ökologischer Verteilung von Ressourcen und damit verbundener bestehender Ungleichheiten und greift damit eine Initiative auf, die von engagierten Mitgliedern aus dem Bereich der Wissenschaft ergriffen wurde. So wird diesen Freitag das neue Forschungsinstitut für Verteilungsfragen eröffnet.

Das Konzept der Forschungsinstitute an der WU Wien besteht darin, zu gesellschaftlich relevanten Themen die Forschung interdisziplinär zu fördern und damit auch Mitglieder mehrerer Departments einzubinden; gleichzeitig aber auch themenzentriert Drittmittel einzuwerben. All dies ist am neuen Forschungsinstitut sehr gut gelungen.

Durch die Einrichtung des neuen Forschungsinstituts reiht sich die Wiener WU in eine Reihe angesehener internationaler Universitäten mit ähnlichen Instituten, wie beispielsweise dem "International Inequalities Institute" der London School of Economics oder dem "Inequality & Social Policy Program" in Harvard. Zugleich ist dieser Themenbereich auch in den Fokus der internationalen Organisationen wie der OECD, des Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank gerückt.

Das WU-Forschungsinstitut "Economics of Inequality" setzt sich zum Ziel, gesellschaftliche Ungleichheit in ihren vielschichtigen Facetten zu analysieren. Der inhaltliche Fokus liegt in der Aufbereitung von Daten und Fakten zu Armut und Reichtum, zur Einkommens- und Vermögensverteilung sowie zur sozialen Mobilität zwischen den Generationen. Dabei stehen der ungleiche Zugang zu Umweltressourcen und -rechten sowie die Auswirkungen von sozioökonomischer Ungleichheit auf die Gesellschaft und den intergenerationellen Zusammenhalt ebenso im Zentrum der Untersuchungen wie die Implikationen und Herausforderungen der Ungleichheiten auf den öffentlichen Sektor und seine Budgets auf nationaler sowie internationaler Ebene.

An unserem Institut soll aber nicht nur die Forschung vorangetrieben werden. Der interessierten Öffentlichkeit sollen alle notwendigen Informationen zur Verfügung stehen. Das Institut wird daher den Austausch mit Studierenden, internationalen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern sowie wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern fördern.