Eva Maria Bachinger ist Journalistin und Autorin in Wien. Bei Deuticke ist ihr Buch "Kind auf Bestellung" erschienen.
Eva Maria Bachinger ist Journalistin und Autorin in Wien. Bei Deuticke ist ihr Buch "Kind auf Bestellung" erschienen.

Die Eizellenspende sei "altruistisch" möglich und wie die Samenspende für lesbische Paare ein "frauenpolitischer Meilenstein". Die Präimplantationsdiagnostik (PID) sei "keine Aussortiererei" von Embryonen, sondern der "freie Wille der Eltern" - Zitate von Sozialdemokratinnen in der Debatte über das neue Fortpflanzungsmedizingesetz. Wenn dann auch Leihmutterschaft und Social Egg Freezing als feministisch gelten, muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Johanna Dohnal waren die Profitgier und die Verfügungsmacht über den Frauenkörper einst ein Dorn im Auge, ihre Nachfolgerinnen jubeln nur über den "Fortschritt".

Tatsache ist: Ist die Eizellenspende erlaubt, entsteht ein Geschäft damit, weil Eizellen ein rares Gut sind. Bei bis zu 1500 Euro "Aufwandsentschädigung" noch von einer "Spende" zu sprechen, ist lächerlich. Junge Frauen vor allem aus Osteuropa setzen sich hormonellen Stimulierungen aus, nur wegen des Geldes. Obwohl es laut dem Institut für Technikfolgenabschätzung noch keine Kenntnisse über die Langzeitfolgen gibt, wurde die Freigabe beschlossen. Indem man die Samenspende bei Paaren ohne medizinischen Grund zulässt, befördert man auch die Profite der Kliniken und das Konsumdenken. Die PID ist definitiv ein Ausleseinstrument - was denn sonst? Paare entscheiden hier zudem nicht im Vakuum, sondern richten sich auch nach Normen. Dass Linke hier keine gesellschaftliche Wirkung mehr erkennen können, zeigt, wie wenig links sie noch sind.

Die Auswüchse der Fortpflanzungsmedizin sind ein Symptom der herrschenden Machbarkeitsideologie. Was technisch möglich ist, soll gemacht werden, für alle. Wünsche stehen im Fokus, Ethik und Moral werden verräumt. Alles hat ein Preisschild. Dass das viele nur noch ein Schulterzucken kostet, zeigt nur, wie sehr sich der Konsum in alle Lebensbereiche frisst. Es ist eine Naivität zu glauben, hier gehe es nur um Freiheitsrechte - angesichts eines globalen Marktes, der derzeit mehr als 9 Milliarden Dollar umfasst, bis 2020 werden es geschätzte 22 Milliarden sein.

Doch Kritik wird reflexartig in den Herrgottswinkel verschoben, als homophob, intolerant, erzkonservativ. Im Namen von Gleichstellungspolitik findet eine große Entgrenzung und Realitätsverweigerung statt. Dazu tragen viele Ärzte bei, die doch "nur helfen" wollen, ebenso Medienfotos von süßen Babys und seligen Eltern. Wir sehen ein Ehepaar mit vier Kindern, ein schwules Paar mit Baby auf dem Arm. Ein lesbisches Paar postet auf Facebook ein Foto seiner zwei Mädchen und bekommt mehr als 130 Likes.

Eizellenspenderinnen, Leihmütter und Samenspender bleiben unsichtbar. Sie würden das Geschäft genauso entlarven wie die Ausnutzung sozialer Gefälle. Obwohl ständig von "modernen Familien" gesprochen wird, sehen die Fotos aus wie eh und je: zwei Eltern samt Kind. Munter werden konservative Modelle forciert: Jeder muss ein Kind haben, und zwar ein genetisch eigenes. Die Kleinfamilie ist die Norm, egal wer sonst noch beteiligt ist. Trotz der Betonung, wesentlich seien doch nur die "sozialen Eltern", ist Genetik äußerst wichtig. Weder ein verklärter Regenbogen noch ein Heiligenschein sind angebracht. Die reproduktionsmedizinische Romantik ist dringend abzulegen.