Christian Ortner.
Christian Ortner.

Es ist eine der ältesten Utopien der Menschheit überhaupt: eines Tages in einer Welt zu leben, in der die Menschen von anstrengender körperlicher Arbeit völlig befreit sind, weil Roboter und Automaten die Produktion fast aller Güter übernommen haben. Doch je näher diese Utopie kommt - und sie ist schon sehr, sehr nahe -, umso mehr Menschen fürchten sich plötzlich vor dem, was tausende Generationen vor ihnen herbeigesehnt haben.

In immer kürzeren Abständen warnen Kulturpessimisten davor, dass uns einfach die Arbeit ausginge, weil Maschinen sie erledigen, Massenarbeitslosigkeit im Gefolge. "Die triste Zukunft der Arbeit" malte etwa jüngst bedrohlich das Magazin "profil" an die Wand. Der Roboter ersetze demnach den Fließbandarbeiter, die Drohne den Postboten, das selbstfahrende Auto den Taxler, der Rechner die Buchhalterin, selbst das älteste Gewerbe der Welt könnte humanoiden Sexrobotern zum Opfer fallen, die gerade entwickelt werden - eine riesige Reservearmee Arbeitsloser wäre die Folge. Die Utopie wird scheinbar zum Alptraum.

Doch zum Glück ist auch ein Alptraum letztlich nur ein Traum - in der Realität ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns tatsächlich die Arbeit ausgeht, nahe null. Prophezeit wird das ja immer, wenn neue Technologien humane Arbeitskraft ersetzen - nur gestimmt hat es halt zum Glück noch nie. Dass heute 3 Prozent der Bevölkerung imstande sind, alle mit Nahrungsmitteln zu versorgen und dazu nicht wie früher 30 Prozent aller Arbeitskräfte nötig sind, hätte in dieser pessimistischen Logik zu Massenarbeitslosigkeit führen müssen - hat es aber nicht, weil die Industrialisierung entsprechend viele neue Jobs schuf. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass das heute oder morgen anders sein sollte.

Natürlich werden tendenziell immer weniger Fließbandarbeiter gebraucht - aber dafür verdienen etwa in den USA schon eine Million Menschen ihren Lebensunterhalt rund um die Produktion und den Einsatz von Smartphone-Apps, einem Produkt, dessen Existenz vor 20 Jahren kein Mensch hätte erahnen können.

Nur weinerliche Pessimisten mit ausgeprägter Neigung zur Angstlust werden glauben, dass die Kreativität der Menschen jäh schwindet, genauso wie ihre Freude am Konsum von Produkten, die wir uns heute genauso wenig vorstellen können wie ein Homo sapiens der 1960er Google (40.000 Mitarbeiter) oder Amazon (230.000 Mitarbeiter). Aber selbst in den traditionellen Industrien ist die Angst vor dem Kollegen Roboter, der den Facharbeiter arbeitslos macht, so verbreitet wie übertrieben. In der deutschen Autoindustrie, einem globalen Vorreiter der Automatisierung, stieg die Zahl der Roboter seit 2010 von 80.000 auf 100.000 Exemplare an. Doch damit wurden nicht 20.000 Jobs wegrationalisiert - die Zahl der menschlichen Mitarbeiter stieg in diesem Zeitraum sogar von 70.000 auf 75.000. Zwar fielen dank Automatisierung einfachere Jobs weg - doch das wurde durch einen Mehrbedarf an Personal im Kreativbereich mehr als kompensiert. Nicht "die Arbeit" geht uns aus, sondern die stumpfsinnige und nicht sinnstiftende Arbeit, für deren Verrichtung keinerlei Wissen erforderlich ist. So wie schon ein Großteil der schweren körperlichen Arbeit verschwunden ist, ohne dass ihr jemand eine Träne nachweinen würde. In Zukunft wird das nicht anders sein.