Christian Ortner.
Christian Ortner.

In Wien wurde in der Nacht auf Mittwoch eine Frau von einem Mann aus Kenia, der sich illegal in Österreich aufhielt, mit einer Eisenstange erschlagen. Erst wenige Tage zuvor hatten drei Asylwerber beim Wiener Bahnhof Praterstern eine Studentin auf einer öffentlichen Toilette vergewaltigt. Dass Frauen sich in manchen Teilen der Stadt nicht mehr sicher fühlen, ist Teil einer neuen Normalität in Wien geworden.

Gewiss, Wien ist alles in allem - noch - immer relativ sicher. Aber wer sich nicht gerade im Fonds einer Dienstlimousine mit verdunkelten Fenstern durch Wien bewegt, sondern etwa die U6 benutzt oder zu Fuß beim Praterstern, beim Westbahnhof oder bei anderen Brennpunkten der multikulturellen Bereicherung unterwegs ist, wird ziemlich flott feststellen, dass sich dort nicht eben ein sehr robustes Gefühl subjektiver Sicherheit einstellt. Dabei geht es nicht nur um physische Gewalt, auch besonders aggressives Betteln, offener Drogenhandel und die ungute Anmache von Frauen greifen endemisch um sich; auch weit jenseits der mittlerweile berüchtigten Hotspots. Selbst der linksliberale "Standard" diagnostizierte in diesem Zusammenhang jüngst "eine Verschlechterung der Lebensqualität" in Wien.

"Wir müssen akzeptieren, dass die Zahl der Straftaten bei jugendlichen Migranten besonders hoch ist", sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schon vor fünf Jahren prophetisch. Wiens Bevölkerung darf in diesen Tagen gleichsam in einem Feldversuch die Treffsicherheit dieser Prognose live miterleben, auch wenn sich ihr vielleicht nicht so recht erschließen wird, warum sie das eigentlich "akzeptieren muss".

Wenn das, was sich angesichts der Missstände nun in Social Media abspielt, auch nur einigermaßen repräsentativ für die Stimmungslage der Bevölkerung ist, hat die verantwortliche Politik ein Problem. Offen-
bar braut sich da eine Wutwolke von epischen Ausmaßen zusammen, die weder der routinemäßige Verweis auf die insgesamt vorzeigbare Kriminalstatistik noch kosmetische Sofortmaßnahmen entschärfen können.

Ein in der öffentlichen Wahrnehmung besonders kritischer Punkt dürfte dabei sein, dass die Abschiebung illegaler Ausländer in vielen Fällen selbst nach schwersten Straftaten nicht möglich ist - sei es, weil ihre Herkunft nicht abschließend geklärt werden kann, die Herkunftsländer sie verständlicherweise nicht zurückhaben wollen, sie einfach untergetaucht sind oder auch nur wegen bürokratischer Hindernisse. Den Menschen ist aber die Ursache mit Recht egal: Dass ein mehrfach vorbestrafter Illegaler nicht blitzartig abgeschoben wird und in der Folge eine Frau erschlagen kann, ist dem Publikum eher schwer plausibel zu machen.

Gewiss: Die beiden gerade noch staatstragenden Parteien sind aktuell in ganz erheblichem Ausmaß mit sich selbst beschäftigt und mit der Frage, wie sie die fulminanten Erfolge ihrer Regierungstätigkeit, nicht zuletzt in der Bewältigung der von ihnen mitverursachten Asylkrise, den Wählern so erklären können, dass die das endlich kapieren. Aber wenn dieser politischen Klasse nicht sehr bald etwas Konkretes einfällt, wie die sichtbaren Konsequenzen politischer Fehlentscheidungen beseitigt werden können, wird die Bundespräsidentenwahl nur ein lindes Vorbeben gewesen sein.