Die Integration von Geflüchteten in den heimischen Arbeitsmarkt ist eine der größten Herausforderungen, vor der wir derzeit stehen. Doch woher die Jobs nehmen, wenn das Gesamtarbeitsvolumen sinkt, die Arbeitslosigkeit steigt und immer mehr Arbeitsplätze für Niedrigqualifizierte gestrichen oder in Billiglohnländer verlagert werden?

Hier lohnt ein Blick in die Vergangenheit: Als Anfang der 1980er die Arbeitslosigkeit explodierte, entstanden in der Folge der experimentellen Arbeitsmarktpolitik neue, innovative Betriebsformen. Nicht alle Experimente führten zum Erfolg, doch diese Phase der Flexibilität ließ Soziale Integrationsunternehmen entstehen, die die Bedürfnisse und Talente benachteiligter Gruppen ins Zentrum rückten.

Seit damals verbinden diese Sozialen Unternehmen Arbeiten und Lernen. Sie sind damit auch für die Integration von Flüchtlingen ins Erwerbsleben bestens geeignet. Für die Politik geht es nun darum, das enge Regelkorsett für die Sozialen Unternehmen aufzuschnüren und genug Raum zum Ausprobieren geeigneter Bedingungen für die Integration einer neuen Zielgruppe zu schaffen.

Arbeiten und Lernen zu verbinden ist ein altes Thema, das zukunftstauglicher nicht sein könnte. Auch im Ausbildungssystem müssen deshalb eingefahrene Bahnen infrage gestellt und neue Wege gefunden werden: Seit Jahren stehen nicht genügend betriebliche Lehrstellen zur Verfügung. Dazu kommt, dass viele Menschen, darunter etwa Kriegsflüchtlinge, erst mit über 20 Jahren eine Ausbildung beginnen können. Außerordentliche Lehrabschlüsse nach einer längeren Beschäftigung und Vorbereitung in einem Sozialen Unternehmen können hier eine gute Alternative sein.

Doch ebenso wichtig wie die Integration der Geflüchteten ist es, in Zeiten der Entsolidarisierung auf gesellschaftliche Balance zu achten. Flüchtlinge sind am Arbeitsmarkt ebenso benachteiligt wie etwa ältere, langzeitarbeitslose oder behinderte Menschen. Personen mit geringen Jobchancen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, etwa, indem man einzelnen Bevölkerungsgruppen die Mindestsicherung kürzt oder die ohnehin knappen Mittel für Arbeitsmarktförderungen von einer Zielgruppe zur anderen verschiebt.

Vergessen wir bei allen Herausforderungen rund um die Integration der zu uns Geflüchteten aber nicht: Im großen Kontext gesehen besteht das wirtschaftliche und gesellschaftliche Hauptproblem darin, dass wir nach wie vor in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit stecken.

Für ein Lösung lohnt sich auch hier ein Blick zurück: In mehreren Wellen in der Geschichte war eine Reduktion der Arbeitszeit ein Teil der Lösung. So sank die Wochenarbeitszeit zwischen 1970 und 1975 schrittweise von 45 auf 40 Stunden. Eine Reduzierung auf 35-Stunden (bei vollem Lohnausgleich für untere Einkommensschichten) würde auf der Stelle zusätzliche Jobs für Zehntausende Menschen schaffen.

Alternative Berufsausbildungsformen, ein (teils geförderter) Arbeitsmarkt mit passenden Jobs für alle, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und flexiblere Rahmenbedingungen für Unternehmen: Das sind, davon bin ich überzeugt, die Wege, die geflüchtete und andere benachteiligte Menschen, aber letztlich alle, die hier leben, in eine gesicherte und selbstbestimmte Zukunft führen.