Mit seinem Auftritt bei der Regenbogenparade hat Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern ein deutliches Zeichen der Öffnung seiner Partei in Richtung der sozialen Bewegungen gesetzt. "Ihr seid laut, ihr seid stark, ihr seid engagiert, wir brauchen euch!" Diese Worte bei seinem Abgang haben mitschwingen lassen, dass genau dies Eigenschaften sind, die eine schrumpfende und alternde SPÖ immer weniger auf die politische Waagschale zu werfen vermag.

Es ist lange her, dass bei der Erprobung informeller Bündnisse zwischen etablierter Politik und außerparlamentarischen Initiativen der Kulturpolitik eine wichtige Rolle zugekommen ist. Es war Bruno Kreisky, der zu Beginn der der 1970er Jahre bis dahin diskriminierte Künstler und Intellektuelle dazu aufgerufen hat, "ein Stück des Weges" gemeinsam zu gehen. Dazu propagierte er eine "durchaus radikale Kulturpolitik", die sich nicht scheuen sollte, im Kampf gegen die restaurativen Kräfte Bestehendes in Frage zu stellen. In Umsetzung dieses Gedankens entwickelte der damalige Kunstminister Fred Sinowatz ein neues kulturpolitisches Instrumentarium (darunter die Implementierung einer eigenen Kunstsektion zur besonderen Förderung des zeitgenössischen Kunstschaffens, die jüngst wieder eingespart wurde), mit dem Ziel, den Stellenwert von Gegenwartskunst in der Gesellschaft zu erhöhen.

Aus der Sicht der Künstler und Kulturschaffenden lagen die Erfolge auf der Hand. Es kam zu einer beträchtlichen Ausweitung des Förderungswesens und einer Modernisierung des Kulturbetriebs - beides Entwicklungen, in denen die Bundesländer ihre bisher nachrangige Rolle gegenüber dem bundesstaatlichen Engagement hinter sich zu lassen trachteten.

Politisch konnte die SPÖ dieses Engagement nur bedingt für sich nutzen. Zwar gelang es in der ersten Phase, die konservativen Kräfte in Schach zu halten und für eine Durchlüftung des "altdeutsch geprägten Wohnzimmers Österreich" (Zitat: Gerhard Fritsch) zu sorgen. Als es aber darum ging, den Aufstieg von Jörg Haiders FPÖ zu stoppen, erwies sich die Allianz aus Politik und Kunst mehr als gutgemeintes denn als erfolgreiches Projekt, mochten sich viele Künstler auch noch so engagiert gegen die Wiederverzwergung und ihre rassistisch/xenophoben und europafeindlichen Erscheinungsformen in Österreich zur Wehr setzen.

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