Und wieder hat sie es getan! Angela Merkel sagte: "Wir schaffen das." Zwar war der Satz dieses Mal auf die Terrorgefahr gemünzt, aber im Bewusstsein der Menschen ist er mit der "Willkommenskultur" verknüpft. Dass diese ein Fehler war, ist inzwischen evident. Man hätte vorhersehen können, dass die Zahl der Flüchtlinge sehr groß sein wird und dass deren Aufteilung auf alle EU-Staaten unmöglich ist. Bundeskanzler Werner Faymann folgte Angela Merkel bedingungslos, und das hat ihn letztlich seinen Job gekostet. Christian Kern und Sebastian Kurz stellen sich geschickter an. Sie verlangen sogar, dass die Verhandlung der EU mit der Türkei über eine Mitgliedschaft abgebrochen werden. Am Ende werden sie recht behalten. In dieser Frage gibt es kein "Wir schaffen das".

Wobei wir es mit einem zündenden Slogan zu tun haben, der variabel einsetzbar ist. Merkel hat den Satz wohl spontan formuliert, wobei der Gleichklang mit Helmut Kohls "Wir werden es schaffen" - im Jahr 1990 auf das wiedervereinte Deutschland gemünzt - nicht zu übersehen ist. Kohls Futur ist allerdings nicht so bestimmend wie Merkels Präsens.

Frappierend ist die inhaltliche Übereinstimmung mit Barack Obamas Wahlkampfspruch "Yes, we can" aus dem Jahr 2008. "Ja, wir schaffen das" ist die sinngemäße Übersetzung von "Yes, we can". Dennoch glaube ich nicht, dass Merkel bei Obama abgekupfert hat. Gestandene Politiker kreieren derartige Slogans aus dem Bauch heraus. Einer der besten Slogans in der jüngeren Geschichte Österreichs war wohl "In Zeiten wie diesen" - den Slogan hat Bruno Kreisky selbst erfunden, nicht irgendein Spindoctor.

Die "Frankfurter Allgemeine" stellte vor einiger Zeit eine Verbindung zwischen "Yes, we can"/"Wir schaffen das" und der Fernsehserie "Bob the Builder", deutsch "Bob der Baumeister" her. Es handelt sich um eine 1999 erstmals gesendete BBC-Serie für Kinder mit animierten Figuren. Die Serie wird inzwischen in mehr als hundert Ländern ausgestrahlt, im deutschsprachigen Raum lief sie auf Super RTL.

Eine Folge dauert jeweils zehn Minuten. Bob der Baumeister betreibt eine Dienstleistungsfirma in Bobhausen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Wendy und den sprechenden Fahrzeugen und Geräten erledigt er alle Arbeiten, die im Ort anfallen. Es geht um Bauen, Baggern, Reparieren, Garteln usw. Bob und sein Team sind da, wenn sie gebraucht werden. Die zweifelnde Frage "Können wir das schaffen?" (Can we fix it?) wird im Chor mit "Jo, wir schaffen das!" (Yes, we can!) beantwortet.

Ich halte es für gewagt zu behaupten, dass Obama und Merkel den Slogan aus der Fernsehserie übernommen haben, wenngleich die Songs aus diesem Programm sogar Hits wurden. "Can We Fix It" kletterte auf Platz eins der UK-Charts - während "Jo, wir schaffen das" in der deutschen Hitparade nur herumdümpelte.

Die Lieder sind von rührender Naivität, man fühlt sich in die Zeit des Wiederaufbaus versetzt. "Buggy und Mixy, Buddel und Bob, / Heppo und Wendy machen den Job./ Doch auch der Rollo gehört dazu, / so wird die Arbeit erledigt im Nu! / Bauarbeiter: Können wir das schaffen? / Bob der Meister: Jo, wir schaffen das!"