Bei einem Teil dieser vielen Menschen, über die man nun stolpert, handelt es sich wohl um einen Kollateralschaden in Sachen Geschlechtergerechtigkeit: Man will "-innen"-Endungen und Verdoppelungen vermeiden, die die Sprache beschweren, aber zugleich die weibliche Hälfte der Art nicht durch Ausschluss kränken. Bei Menschen fühlen sich alle gerne mitgemeint.

Mit Menschen
Empathie zeigen


Es ist auffallend, dass diese sprachlich nicht wirklich passenden Menschen immer dann auftauchen, wenn man Empathie ausdrücken oder vortäuschen will, oder wenn das Menschsein der genannten Personen besonders betont werden soll. Aber muss man wirklich explizit darauf verweisen, dass Blinde, Gelähmte, Gebrechliche, Geflüchtete, Illegalisierte und Katastrophenopfer neben ihren besonderen Bedürfnissen auch noch ganz gewöhnliche haben? Muss wirklich unterstrichen werden, dass man niemanden auf seine Opferrolle, seinen Asylstatus oder seinen Gesundheitszustand reduzieren darf? Offensichtlich muss. Offensichtlich muss in der Berichterstattung über in Not Geratene explizit auf deren Menschsein verwiesen werden und damit implizit auch auf deren Menschenrecht.

Wenn eine Gesellschaft schon so wenig Mitgefühl aufbringt - besonders für Geflüchtete, Asylsuchende und Illegalisierte -, dann ist allerdings geboten, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken und den dringenden Handlungsbedarf sichtbar zu machen. Es ist also die Beredsamkeit und Ausdruckskraft der schreibenden und redenden Zünfte gefordert, sich um genaue Begrifflichkeiten zu bemühen.

Neben diesen linguistischen Begleitmaßnahmen wären dann - was die Rechte von Menschen auf ein menschenwürdiges Leben betrifft - auch noch anzudenken: Friedenslösungen statt Waffenlieferungen, Vorkehrungen gegen Klimaerwärmung und zur Zähmung entfesselter Märkte, ein bisschen Umverteilung von Wohlstand von oben nach unten, von Nord nach Süd, von den Zentren an die Peripherien. Dann würde weniger humanitäres Leid produziert und weniger Menschengeschwafel anfallen.