Georg Hubmann und Klaus Baumgartner arbeiten am Linzer Marie Jahoda - Otto Bauer Institut (www.jbi.or.at).
Georg Hubmann und Klaus Baumgartner arbeiten am Linzer Marie Jahoda - Otto Bauer Institut (www.jbi.or.at).

Die Debatte über die verschiedensten Handelsverträge hat die breite Gesellschaft erreicht. Es geht dabei aber nicht nur darum, die "Giftzähne" der aktuell diskutierten Verträge zu ziehen, sondern Alternativen für eine nachhaltige und für alle gewinnbringende Form des globalen Handels zu entwickeln.

Denn wer sagt eigentlich, dass es so sein muss, dass Menschen an der Produktion von Waren krank werden oder daran sterben? Schließlich gibt es schon ganz konkrete Vorschläge und Maßnahmen mit dem Ziel, Arbeitslosigkeit, Wegwerf-Mentalität, Kinderarbeit und Raubbau an unserer Umwelt etwas entgegenzusetzen. Die Linzer Ökonomen Jakob Kapeller, Bernhard Schütz und Dennis Tamesberger haben ein - unter anderem vom Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ausgezeichnetes - Konzept entwickelt, das ethische Standards wie Würde, Gerechtigkeit und Fairness ins Zentrum der Diskussion über globale Handelsbeziehungen rückt. Sie schlagen die Einrichtung einer "Europäischen Agentur für Handelswaren" vor. Anleihen nimmt das Modell am japanischen Top-Runner-Programm, das zeigt, wie hohe Standards für nachhaltige Produkte erfolgreich durchgesetzt werden können.

Die Idee der "Europäischen Agentur für Handelswaren" geht aber ein paar Schritte weiter: Sie implementiert zusätzliche Dimensionen in die Mechanismen des Marktes, die vielleicht für einzelne Konsumenten nicht im Mittelpunkt stehen, aber gesamtgesellschaftlich von höchster Relevanz sind: Warum bestimmen nicht wir, die europäische Bevölkerung, welche Qualität ein Produkt haben soll? Unter welchen Bedingungen Waren hergestellt sein müssen, damit sie überhaupt auf unseren Märkten zugelassen werden? Es geht schlicht darum, die Macht des gemeinsamen europäischen Markts zu nutzen, um unsere europäischen Standards zu exportieren und auf diesem Weg Produktions- und Lebensbedingungen in anderen Weltregionen zu verbessern.

Klar ist, dass es auch hier Synergien zu nutzen und die Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Institutionen und NGOs (wie etwa der Internationalen Arbeitsorganisation oder Fair Trade Labels) zu suchen gilt, um einen nachhaltigen Standard und entsprechende Anforderungen für Produkte, die in Europa gehandelt werden, einzuführen. Mit der Einführung dieser Agentur und der Etablierung dieser neuen Produktstandards auf dem Markt wäre es multinationalen Konzernen nicht mehr so leicht möglich, Ausbeutung von Menschen in Ländern des globalen Südens sowie Raubbau an der Umwelt zu ignorieren oder gar für den eigenen Profit in Kauf zu nehmen.

Um es mit den Worten der drei Ökonomen zu sagen: "Ein solcher institutioneller Wandel bietet die Möglichkeit, Europa effizienter und grüner sowie den internationalen Handel fairer zu gestalten." Ihr Konzept bietet eine Vorlage für eine breite Diskussion über die Zukunft globaler Handelsbeziehungen und stellt noch keinen Gesetzesentwurf dar. Aber es ist hoch an der Zeit, Arbeitsbedingungen, Handelsbeziehungen und Ressourcenverbrauch in einer weltweiten Perspektive neu zu denken und zu diskutieren.