Die Kosten für Energieeffizienz nehmen im Vergleich dazu ebenso eine Nebenrolle ein wie auch Kosten für Barrierefreiheit, Brandschutz und dergleichen. Sie bewegen sich anhand tausender Beispiele in Österreich belegbar irgendwo zwischen null und vielleicht fünf Prozent der Errichtungskosten.

Lange bestehende Gebäude sind immer nachhaltiger und effizienter als neue oder sanierte Gebäude? Unglaublich falsch, wenn sie so belassen werden sollen, wie sie sind. Die "graue Energie" eines Gebäudes macht bei einer 100-jährigen Betrachtung je nach Effizienzstandard und Bauweise zwischen unter 10 und vielleicht 20 Prozent des Gesamtenergieaufwandes aus. Schlecht oder gar nicht gedämmte Gebäude unabhängig vom Baualter verbrauchen ein Zigfaches an Energie gegenüber effizienten Gebäuden. Und bitte: Auch das ist keine Glaubensfrage, sondern Physik.

Der Schlusssatz in Klaus-Jürgen Bauers Kommentar kann nur als großer, finaler Irrtum bezeichnet werden: "Wenn wir die Zusammenhänge richtig deuten, dann werden wir auch nicht mehr dämmen müssen." Zusammenhang? Fakten? Nicht vorhanden, beginnend mit der Geschichte vom ältesten Holzhaus. Was in Artikeln wie diesen zum Ausdruck kommt, ist eine unglaubliche Emotionalität, die bewusst oder unbewusst Versatzstücke von Argumenten neu ordnet und damit ein neues Bild erschaffen will, in dem der Klimaschutz und die deshalb notwendige Energieeffizienz von Gebäuden als Begründung für nichts Geringeres als dem Niedergang der Kultur gedeutet wird.

Bessere Effizienz auch im
Sinn der Reparaturkultur

Josef Haslinger hat im Jahr 1987 mit "Politik der Gefühle" einen herausragenden Essay darüber verfasst, was die Macht der Gefühle gegenüber der Banalität des Faktischen auszurichten vermag. Auch wenn der Anlassfall ein anderer war, trifft die Kernaussage Haslingers auch auf die Gegenwart zu: Das postfaktische Zeitalter ist angebrochen, weil das Faktische uns aufzeigt, dass wir an allen Ecken und Enden anstehen. Der Klimawandel ist eine dieser Ecken, und er ist ein ganz mächtiges Ende.

In einem ist Klaus-Jürgen Bauer eindeutig recht zu geben: "Wir müssen gerade deshalb zu einer Reparaturkultur zurückfinden, die uns ermöglicht, mit wenig Aufwand und wenig Energie gebaute Massen so lange wie möglich zu nutzen." Aber gerade deshalb ist die deutliche Verbesserung der Energieeffizienz bei den über zwei Millionen bereits vorhandenen Gebäuden in Österreich unabdingbar. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es den konstruktiven Dialog abseits der Mythenbildung mehr denn je.