Mobile Klinik unter Bäumen in Rieri. - © MSF/Nicolas Peissel
Mobile Klinik unter Bäumen in Rieri. - © MSF/Nicolas Peissel

In den Bezirken Leer und Mayendit, im Zentrum des Südsudans, sind die Menschen wegen der anhaltenden Verschiebung der Frontlinien ständig auf der Flucht. Nachdem das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Leer mehrmals angegriffen wurde, brauchten wir andere Wege, um die Menschen medizinisch zumindest mit dem Nötigsten zu versorgen. Meine südsudanesischen Kollegen und ich bleiben dabei mit einem Netzwerk aus mobilen Teams immer in Bewegung.

Ich kam vergangenen März in Leer an, gerade nachdem das Krankenhaus wieder eröffnet worden war. Fünf Monate zuvor war es geplündert worden. Aber es dauerte nicht lange, bis das Krankenhaus aus Sicherheitsgründen wieder evakuiert werden musste. Deshalb musste ich im Juli nach Hause zurückfliegen. Es war sehr schwer zu gehen, weil ich die schwierige Situation kannte, die ich zurückließ.

Patienten sollen keine Frontlinie überqueren müssen


Unsere südsudanesischen Mitarbeiter wollten weiterarbeiten, um den Familien und Gemeinden in ihrem Leid zu helfen, und ich wollte sie dabei unterstützen. Als mir Ärzte ohne Grenzen die Möglichkeit bot, in den Südsudan zurückzukehren, sagte ich sofort zu. Die Gegend befindet sich in einer sehr instabilen Lage. Es gibt keinen Ort, der auf lange Sicht sicher genug zu erreichen wäre, um dort ein Krankenhaus zu errichten. Wir mussten sichergehen, dass unsere Patienten keine Frontlinien überqueren müssen, um zu uns zu gelangen und behandelt zu werden.

Deswegen entschieden wir uns für eine andere Herangehensweise. Statt ein Krankenhaus zu errichten, bildeten unsere Mitarbeiter Teams, die sechs Tage die Woche in denjenigen Regionen arbeiten, in denen sie leben. Sie kommen alle aus der Gegend und sind dafür ausgebildet, dort übliche Erkrankungen wie Malaria, Hautkrankheiten oder Durchfallerkrankungen zu behandeln. Sie sind die Konstante für die Gemeinschaft.

Mitarbeiter begleiten Menschen auf der Flucht


Wenn Menschen gezwungen werden, wegen der Kämpfe ihr Zuhause zu verlassen, kommt unser medizinisches Personal einfach mit ihnen mit und versorgt sie weiterhin. Manche mussten allein im November und Dezember mehrmals fliehen. Das ist ihr Alltag. Unsere Mitarbeiter sagen, dass sie nie wissen, ob sie den nächsten Morgen erleben werden. Und morgens wissen sie nicht, ob sie es bis zum Abend schaffen werden.