Dieser Beitrag soll die Unterschiede erklären, wie Feminismus einst und jetzt verstanden wird - eine Begriffserklärung muss vorausgeschickt werden:

Sophie Pechar, geboren 1993 in Wien, studiert an der Alice Salomon Hochschule in Berlin.
Sophie Pechar, geboren 1993 in Wien, studiert an der Alice Salomon Hochschule in Berlin.

Das * wird in diesem Artikel auf zwei verschiedene Arten verwendet: Zum einen soll es klarmachen, dass Geschlechter vielfältig sind und es mehr als nur Frauen* und Männer* gibt. Zum anderen soll es zeigen, dass auch Trans*Personen mitgemeint sind. Für einige ist das selbstverständlich, oft ist es das jedoch nicht. Solange das nicht für alle klar ist, ist es sinnvoll, das * zu verwenden, um Trans*Personen Sichtbarkeit zu verschaffen.

Der Begriff Cis soll einen Gegenpol zu Trans* darstellen. So wird gezeigt, dass CisPersonen nicht als die Norm gelten sollen. CisPersonen fühlen sich mit dem Geschlecht wohl, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Ableisiert (vom Englischen "able" abgeleitet) bedeutet, dass Menschen nicht aufgrund von körperlichen und/oder psychischen "Beeinträchtigungen" an gesellschaftlicher Teilhabe gehindert werden.

Anstelle von sexueller Gewalt wird hier sexualisierte Gewalt verwendet, da der Begriff sexuelle Gewalt den Anschein erweckt, es handle sich um einen sexuellen Akt. Sex muss jedoch immer einvernehmlich sein.

FLTI* steht für FrauenLesbenTransInter*. CisMänner werden hier nicht mitgenannt.

Warum ist der 8. März auch heute noch relevant? Oft hört man, das Patriarchat existiere nicht mehr, Feminismus wäre überholt oder wir sollten uns mit dem zufriedengeben, das bereits erreicht wurde, als müsste man sich immer noch an untragbaren Zeiten messen. Es ist jedoch falsch zu glauben, es herrsche Geschlechtergerechtigkeit. Oft wird das anhand von Gehältern klargemacht. Und das ist richtig und wichtig. Aber es ist lange nicht das Einzige. Feminismus beinhaltet weit mehr.

Feminismus darf nicht nur die Themen und Stimmen von weißen, ableisierten, heterosexuellen CisFrauen der (oberen) Mittelschicht transportieren und hören. Er muss weiter gehen, intersektional (also verschiedene Diskriminierungsweisen verknüpfen, um zum Beispiel die Lebensrealität von schwarzen Trans*frauen mitzudenken), antikapitalistisch und (links-)radikal sein. Der Feminismus der 60er und 70er Jahre muss von einem intersektionalen Feminismus abgelöst werden. Es geht hier jedoch nicht um ein inhaltliches Ausblenden von Themen, die dieser Feminismus behandelte, sondern um ein Erweitern und/oder anderes Bearbeiten von "alten" Themen.

Sexualisierte Gewalt existiert noch immer und ist ein zentrales Thema des Feminismus. Fast jede FLTI*Person hat schon eine Form von sexualisierter Gewalt erlebt. Ein enormer Anteil von Personen, die diese Gewalterfahrungen machen, ist weiblich* oder wurde so gelesen. Egal gegen wen sich diese Form von Gewalt richtet, Täter sind in den meisten Fällen CisMänner. Oft wird zumindest in der breiteren Gesellschaft auch einzig (versuchte) Vergewaltigung als sexualisierte Gewalt gedeutet. Ausgeblendet werden nicht einvernehmliches Anfassen und Belästigung. Die Letzteren werden in den schlimmsten Fällen als Komplimente dargestellt.

Viele dieser Gewalterfahrungen werden nicht zur Anzeige gebracht. Die Gründe dafür sind im Umgang der Gesellschaft mit diesem Thema zu finden. Menschen, die derartige Erfahrungen gemacht haben, wird oft eine Mitschuld gegeben. Ein gewisses Verhalten, ein Lebens- oder Kleidungsstil der Betroffenen macht sie angeblich selbst für ihre Erfahrungen verantwortlich. Vorwürfe, die eigene Sicherheit nicht genug geschützt zu haben, kommen häufig auch aus dem eigenen Umfeld. Auch die Angst, sich vor Polizei und Justiz verteidigen zu müssen und als Lügner*in dargestellt werden zu können, erleichtert eine Anzeige nicht.

Der Kampf um die Selbstbestimmung des eigenen Körpers ist aktueller denn je. Bestimmte Schönheitsideale, und zwar die von der schlanken, weißen, "weiblichen" (als wäre das etwas Stringentes), ableisierten CisFrau, werden uns immer noch anerzogen und aufgedrängt. Abtreibungsgegner*innen sind international auf dem Vormarsch, wie zuletzt in Polen. Trans*Personen werden immer noch massiv diskriminiert und sind besonders oft mit Gewalt konfrontiert. In diesem Jahr wurden in den USA bereits sieben TransFrauen (alle schwarz oder Women* of Color) ermordet. Auch Homo-, Bi- und Pansexuelle Personen erfahren noch massive Diskriminierung.

All diese Dinge sind Realität für viele Menschen. Feminismus thematisiert all diese Formen von Diskriminierung. Er fordert eine gleichberechtigte, solidarische Gesellschaft und versucht alle FLTI*Personen zu vereinen, mitzudenken und zu stärken. Zu glauben, Feminismus wäre nicht mehr relevant, würde die Kämpfe von Millionen FLTI*Personen verleugnen.